Berlin : Sprinten mit Chopin

Sportlegende Edwin Moses macht Klassikfans Beine

Frederik Hanssen

Die Frau ist mutig: Isolde Ruck hat es sich tatsächlich in den Kopf gesetzt, in Berlin eine neue Konzertagentur zu etablieren. Als wäre das Angebot nicht schon unübersichtlich genug! Isolde Ruck allerdings hat ein paar Trümpfe im Ärmel. Die gebürtige Österreicherin mit abgeschlossenem Klavierstudium und fast zwanzig Jahren Erfahrung als Konzertveranstalterin in Köln weiß, mit welchen Tricks man Leute in die Säle lockt. Vor allem aber hat sie keine Angst vor unkonventionellen Methoden. Zusammen mit ihrem Geschäftspartner Martin Grenda zieht sie die neuen „Montagskonzerte“ im Kammermusiksaal der Philharmonie als echtes Cross-Over-Projekt auf. Ihr Thema: Sport und Musik. Athleten und Profimusiker, so die These, haben mehr gemein als man denkt. Beide fangen sehr früh mit ihrer Disziplin an, müssen hart und ausdauernd trainieren, sprechen mit ihren außergewöhnlichen Leistungen ihre Zuschauer direkt emotional an. Einige berühmte Musiker waren auch sportlich höchst aktiv. Der Pianist Arturo Benedetti Michelangeli fuhr leidenschaftlich gerne Skirennen, Herbert von Karajan flitzte im Sportwagen durch die Gegend, und Kent Nagano stürzte sich in seinen Jugendjahren an der kalifornischen Küste auf dem Surfbrett in die Fluten.

Umgekehrte Fälle – also klassikbegeisterte Spitzensportler – sind hingegen weniger bekannt. Ein weltberühmter Leichtathlet hat sich allerdings bereit erklärt, dem Projekt der „Montagskonzerte“ über die Hürde des ersten Abends zu helfen: Edwin Moses. Der legendäre Läufer wird am heutigen Montag im Kammermusiksaal dem Klavierabend von Friedrich Höricke lauschen. Matthias Grenda hat den Berlin-Besuch des Sportlers organisiert. Als Vorsitzender des „Laureus World Sports Award“ ist Moses daran gelegen, Geld für die „Laureus“-Stiftung zu sammeln, die Sportinitiativen in sozialschwachen Gebieten unterstützt. Als Dank für die prominente Schützenhilfe bekommt „Laureus“ von jeder verkauften Berliner Eintrittskarte einen Euro zur Verfügung gestellt.

Weder Mr. Moses noch die anderen Konzertbesucher müssen heute Abend allerdings allzu schwere Klassikkost befürchten. Der 1963 geborene Pianist Friedrich Höricke überfordert seine Zuhörer nicht, im Gegenteil: Er serviert einen leicht verdaulichen Mix aus bekannten Stücken von Frédéric Chopin und Franz Liszt. Locker geht es dann auch in den weiteren „Montagskonzerten“ zu: Am 1. Dezember präsentiert der feingeistige TV-Talker und Feuilletonist Roger Willemsen seine neue, in Reimen verfasste Version von Camille Saint-Saens „Karneval der Tiere“, im kommenden Jahr gibt es Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“ mit der Pianistin Evelyn Ulex sowie einen „Classic meets Jazz“-Abend. Und auch das „Katja Riemann Oktett“ taucht in Isolde Rucks Planung auf.

Friedrich Hörickes Klavierabend beginnt um 20 Uhr im Kammermusiksaal der Philharmonie, Tickets unter: 0180/517 0 517.

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