Berlin : Sprühen und schlagen Sprayer werden immer brutaler

Anti-Graffiti-Koalition gegründet

Cay Dobberke

Graffiti ist und bleibt ein Ärgernis, finden vor allem Besitzer von Gebäuden und Dingen, die von Sprayern mit Bildern und Zeichen aus der bunten Sprühdosenfarbe verunziert werden. Gut 20 von ihnen haben sich nun zu einer „Anti-Graffiti-Koalition“ zusammengefunden, einer privaten Initiative, die der PR-Fachmann Henri Zix gegründet hat.

Auf rund 50 Millionen Euro wird der Schaden beziffert, der in Berlin jährlich durch Graffiti entsteht. Allein bei der S-Bahn kostet die Reinigung von Zügen und Bahnhöfen vier Millionen Euro pro Jahr. Und jetzt schlagen die Sprayer auch zu: „Die Szene ist wirklich kriminell“, sagt S-Bahn-Sprecher Ingo Priegnitz. „Unsere Sicherheitsleute werden immer wieder angegriffen.“ Bei der BVG sind die Schäden „leicht rückläufig“. Vandalismus aller Art kostete die Verkehrsbetriebe im Vorjahr 6,24 Millionen Euro gegenüber 8,25 Millionen Euro im Jahr 1997. Zum Anteil der Graffiti an den Beschädigungen hat die BVG keine Statistik.

Die Polizei stellt eine „steigende Gewaltbereitschaft“ fest. Die Gemeinsame Ermittlungsgruppe „Graffiti in Berlin“ bearbeitet jährlich etwa 7000 Straftaten, die zu 60 Prozent aufgeklärt werden können. Laut Kriminaloberrat Mario Hein gibt es etwa 1500 regelmäßige Sprayer, die in 150 Gruppen organisiert sind. Diese Zahlen seien konstant.

Die „Anti-Graffiti-Koalition“ verlangte jetzt vierteljährliche Treffen unter der Leitung des Innensenators. Dazu sollten Behördenvertreter, Hausbesitzer und andere Betroffene kommen. Außerdem fordert die Initiative Verkaufsbeschränkungen für Farbsprühdosen – diese sollten nur von Personen über 18 Jahren erworben werden können. Denkbar sei auch eine „Solidarabgabe“ von einem Euro je Spraydose. Das Geld könne in einen Fonds zur Graffitibeseitigung fließen, stellt sich Initiativengründer Henri Zix vor.

Die Bezirksämter gehen unterdessen eigene Wege. Köpenick erstattet Hauseigentümern in der Altstadt die Materialkosten der Graffiti-Entfernung, während Charlottenburg-Wilmersdorf gerade ein Hochdruck-Reinigungsgerät für die öffentlichen Gebäude gekauft hat. Die S-Bahn appelliert auch an ihre Fahrgäste. Sie sollen Schmierer beim Personal melden.

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