Berlin : Spürnase mit Helfersyndrom

Die kleine Tabea ist zuckerkrank. Ein trainierter Vorwarnhund passt auf sie auf. Für „Hermine“ bittet die Familie um Spenden.

Elisa Kremerskothen
Retter auf vier Pfoten. Tabea Daedlow – sie ist das Mädchen vorn mit Brille und Hund Hermine – im Kreise ihrer Geschwister. Die Familie hofft auf Spenden. Foto: privat
Retter auf vier Pfoten. Tabea Daedlow – sie ist das Mädchen vorn mit Brille und Hund Hermine – im Kreise ihrer Geschwister. Die...

Fast ärgert sich Annegret Daedlow ein wenig. Da sitzt Hermine am Beckenrand und will einfach nicht Platz machen. Stattdessen hockt der Jagdhund aufrecht, er nimmt Witterung auf. Und fiept.

Da holt die Mutter ihre Tochter Tabea aus dem Wasser. „Als ich das Training von Tabea unterbrach und sie testen ließ, war ihr Blutzuckerwert innerhalb von zehn Minuten von 135 auf 81 gesunken und sie musste Traubenzucker zu sich nehmen.“ Dann legte sich der Diabetes-Vorwarnhund wieder hin, ganz ruhig.

An diesem Sommertag scheint die Sonne prall in den Garten, Kinder spielen mit einem Wasserschlauch. Mittendrin die neunjährige Tabea. Eigentlich eine Idylle, wäre da nicht die Krankheit, die Tabeas Leben bestimmt. Jetzt liegt die schwarze Labrador-Mischlingshündin ein wenig entfernt im Schatten. Sobald Tabea aus Hermines Sichtweite gerät, richtet sich die Hündin auf. Sie hat immer einen Blick auf Tabea, begleitet sie überallhin. Dafür wurde sie ausgebildet. Diagnostiziert wurde Tabeas Diabetes Typ-1, als sie drei Jahre alt war. Rund 15 000 Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre sind in Deutschland an Typ-1-Diabetes erkrankt. Das ist eine Autoimmunerkrankung, das Immunsystem des Körpers zerstört insulinbildende Zellen. Durch das fehlende Insulin kann Glukose von den insulinabhängigen Zellen nicht mehr verwertet werden, fehlt in den Zellen als Energielieferant und häuft sich im Blut an. Der Blutzuckerspiegel steigt.

Bei Tabea kommt es bis zu zehn Mal pro Woche zu einer starken Unterzuckerung. Durch einen Katheter und eine Insulinpumpe erhält das Mädchen über den Tag verteilt fortwährend kleine Insulinmengen. Dennoch muss sie mindestens acht Mal täglich ihren Blutzucker testen, ihr Essen abwiegen und alles protokollieren. Tabea muss ständig beaufsichtigt werden; in der Schule hat sie einen Schulhelfer. Sinkt ihr Blutzuckerspiegel dort stark, schleppt sie sich dank Traubenzucker mühsam durch den Tag. Gefährlicher wird es, wenn es nachts zu einer Unterzuckerung kommt. Dann verkrampft sie, schreit und hat starke Schmerzen am ganzen Körper. Erst eine Notfallspritze hilft ihr dann. Durch einen Diabetesvorwarnhund können Extremsituationen für die ganze Familie vermieden werden.

Der Hund würde eine schon nahende Unterzuckerung riechen und sich bemerkbar machen, Tabea könnte sich dann schnell selbst testen. Dafür hat der Ausbildungsleiter vom Zoll in Stralsund Hermine auf Tabeas „Unterzuckerungsgeruch“ trainiert: Die Familie schickte Unterhemden dorthin, die das Kind während einer Unterzuckerung trug.

Hermine wurde anderthalb Jahre individuell für Tabea und ihre Diabeteskrankheit ausgebildet. Das hat seinen Preis: Rund 25 000 Euro kostet ein solcher Hund. Das Geld kann die Familie, zu der auch Tabeas zwei Drillingsschwestern, ihre große Schwester und ihr kleiner Bruder gehören, alleine nicht aufbringen. Deswegen suchen sie Helfer und haben unter anderem die 50 größten Arbeitgeber Berlins um Unterstützung gebeten. Seit zwei Wochen lebt die Hündin in der Familie und ist bereits ein fester Bestandteil in Tabeas Leben. „Hermine ist toll, wie eine beste Freundin, die immer für mich da ist und auf mich aufpasst“, sagt Tabea lachend, nachdem sie sich von der Wasserschlacht mit ihren Geschwistern erholt. Neulich hat Hermine die Unterzuckerung sogar vom Seeufer aus bemerkt, als Tabea weit draußen schwamm.

Spendenadresse: Rehahunde Deutschland e.V., VR Bank Rostock, Kontonr.: 253 411 8, BLZ: 130 900 00, Verwendungszweck: Tabea. Es werden Spendenbescheinigungen ausgestellt.

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