Berlin : Spurlos verschwunden: Hubschrauber und Hunde suchen nach neunjähriger Sophia

kf

Sophia Wendt.

Motorenlärm über Marzahn. Polizisten durchkämmen Dachböden, Keller, leer stehende Gebäude. Ein Hubschrauber sucht das Bahngelände am Biesdorfer Kreuz mit einer Infrarot-Wärmekamera ab. Am S-Bahnhof Friedrichsfelde steht die Polizei mit einem Info-Mobil, um Ausschau nach neuen Zeugen zu halten. Am Nachmittag ziehen dann Beamte mit Spürhunden durch die Laubenkolonien an der Marzahner Chaussee - vergeblich. "Trotz allem ist die neunjährige Sophia Wendt noch nicht gefunden worden", hieß es am frühen Abend bei der 9. Mordkommission. Am Nachmittag informierte sich Polizeipräsident Hagen Saberschinsky an Ort und Stelle über die groß angelegte Suchaktion.

Wie berichtet, ist das Mädchen am Donnerstag auf dem Weg vom Hort spurlos verschwunden. Beim Lotteriegeschäft an der Reiler Straße hatte es sich gegen 16.30 Uhr noch einen Lutscher gekauft, dann verliert sich - nur ein paar Meter vom Elternhaus entfernt - die Spur des Kindes. Mutter und Vater machten sich schnell Sorgen, als die sonst so zuverlässige Tochter nicht nach Hause kam. Bereits am Donnerstagabend und in der Nacht zum Freitag wurden bei der Suche rund 70 Polizisten, acht Suchhunde und zeitweise ein Hubschrauber eingesetzt.

Nachdem zunächst unter der Federführung der Vermisstenstelle im Landeskriminalamt ermittelt wurde, übernahm am Freitag offiziell die Mordkommission den Fall. Man rechnete schnell mit dem Schlimmsten: Sophia Wendt kommt nach Polizeiangaben aus behüteten Verhältnissen, ist nie von zu Hause ausgerissen, hat weder schulische noch familiäre Probleme. "Bei solchen Kindern heißt es sofort: Volle Kraft!", sagt eine Ermittlerin. Von Anfang an seien Beamte der Mordkommission an der Suche beteiligt gewesen, die offizielle Übergabe des Falles sei nur noch Formsache gewesen.

Sandra Wissmann.

Erst vor wenigen Wochen verschwand in Berlin ein Mädchen. Die 12-jährige Sandra Wißmann aus Kreuzberg wollte am 28. November noch ein Geschenk besorgen. Sie wurde um 16.45 Uhr zuletzt gesehen. "Es gibt keine konkreten Hinweise, dass es einen Zusammenhang gibt", sagt die Beamtin. Die einzige Übereinstimmung: Beide Mädchen verschwanden am Nachmittag. Dass die Mordkommission bei Sophia Wendt bereits nach einem Tag die Führung übernahm, bei Sandra Wißmann erst nach drei Tagen, liege auch nicht an einer erhöhten Alarmbereitschaft der Polizei. "Für die Eltern ist es oft schwierig, wenn sie hören, dass die Mordkommission übernimmt." Im Hause Wendt dürfte man mit den Formalien der Polizei vertraut sein: Der Vater von Sophia arbeitet als Schutzpolizist beim Abschnitt 71.

Seine Tochter hatte gegen 16 Uhr mit zwei zehnjährigen Schulkameraden den Hort an der Straße Alt-Friedrichsfelde verlassen. Die Drei trennten sich vor dem Kiosk. Sophie Wendt ist 1,20 Meter groß und kräftig. Sie hat grünblaue Augen und dunkelbraune, hüftlange Haare. Über der linken Augenbraue hat sie eine etwa zwei Zentimeter lange Narbe, Bekleidet war sie mit einer roten Jacke, einer schwarzen Hose mit gelb abgesetzten Taschen und schwarzen Stiefeln. Hinweise nimmt die Polizei unter der Telefonnummer 699 32 777 entgegen. Es gibt bislang keine heiße Spur.

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