St. Patrick's Day in Berlin : Guinness statt Gottesdienst

Iren weltweit feiern heute den St. Patrick’s Day. Auch in Berlin lohnt sich ein Besuch im Pub um die Ecke.

Julia Sergo
Trinken unterm Kleeblatt.
Trinken unterm Kleeblatt.Foto: picture alliance / dpa

Im Sinne des Heiligen St. Patricius wäre das wohl nicht gewesen: Vor fast 2000 Jahren missionierte er heidnische Iren. Heute gehen seine Landsleute nach der Kirche direkt in den Pub.

Überall, wo Iren leben, ist der 17. März ein Feiertag im wörtlichen Sinne. Auch Berlin hat nicht nur Guinness-Bier, Pub-Kultur und Rugby importiert. Überall in der Stadt wird heute Abend St. Patrick’s Day gefeiert, mit Live-Musik und Stepptanz-Contest. Im Pub The Harp in Charlottenburg wird eine Art irisches Herrengedeck serviert: Bier von der Grünen Insel, dazu „Irish Mist“, dieser süße Whiskeylikör mit Honigaroma, der auf Eis serviert wird – ein guter Kontrast zu einem dunklen Guinness oder einem würzigen Kilkenny.

Das Kleeblatt der Dreifaltigkeit

Die urige Ku’damm-Kneipe gehört zu den ältesten und bekanntesten Pubs Berlins. 2007 wurde hier nach einer Renovierung neu eröffnet und die Besitzer halten sich genauso gut versteckt wie „Leprechauns“, die irischen Nationalkobolde. An der Theke wird man von Mitarbeiter William begrüßt – natürlich auf Englisch.

Einmal im Monat genießen auch die Mitglieder der Mittelalter-Rollenspiel-Gruppe „Drakenstein“ das Pub-Flair. „Wir machen hier unseren Stammtisch, um Veranstaltungen zu planen und Neulinge kennenzulernen“, erzählt Lehnsherr Hagen Edler von Festenberg, der mit bürgerlichem Namen Michael Korn heißt. Die Heilige Dreifaltigkeit, die St. Patricius den Iren noch anhand eines Kleeblatts erklärt hat, besteht bei den Männern jetzt aus Guinness, Cidre und Kilkenny. Bei irischen Getränken und Spare Ribs planen die Männer ihr nächstes Spiel.

Das Wochenende steht in Berlin unter irischem Stern

„Keiner von uns kommt aus Charlottenburg. Der Pub ist einfach zentral gelegen und wir fühlen uns hier wohl“, erzählen sie und betonen, wie eng ihr Hobby mit der Geschichte des Pubs verknüpft ist. „Ich kenne das Lokal schon so lange, wie ich mich mit Live-Rollenspielen beschäftige, mindestens seit 20 Jahren“, sagt Sven Beierlein, der von seinem Knappen Christian Kopp als Reichsritter Chevalier Pierre de Marvaison vorgestellt wird. Kurz vor dem St. Patrick’s Day ist es im The Harp noch relativ ruhig, doch am Freitag steht der Abend unter dem Motto „Let’s get together“, mit Live-Musik und, na klar, kühlen Bieren ab Mittag.

Das ganze Wochenende über blitzt in Berlin irische Folklore auf, vor allem in Bars und Kneipen, für Iren, Touristen, Irland-Fans und Menschen, die einfach Lust auf Geselligkeit und Kleeblatt-Euphorie haben.

Parade fällt wieder aus

Die obligatorische Parade, die in anderen Städten auf der Welt ganze Straßenzüge mit grün gekleideten, gut gelaunten Menschen füllt, gibt es in Kreuzberg schon seit vergangenem Jahr nicht mehr. „Es lag von Bezirksseite nie eine offizielle Genehmigung dafür vor“, sagt ein Sprecher des zuständigen Ordnungsamtes. Damit fehlt in Berlin ein wichtiger Teil des Feiertags, der die Geschichte der irischen Diaspora spiegelt: Nicht aus Irland selbst, aber von irischen Migranten in den USA kommt der inzwischen international zelebrierte Umzug, der dem Treiben an Karneval ziemlich nahekommt.

Es gibt viele schöne Dinge zu tun

Auch wenn die rund 2800 in Berlin lebenden Iren dieses Jahr ihre Heimatgefühle nicht mit einer Parade demonstrieren können, gerät ihr Feiertag nicht in Vergessenheit – den Berlinern ist ja jeder Anlass zum Feiern willkommen. Irisch wird es darum nicht nur in diversen Kneipen, sondern auch im Kreuzberger Kino Moviemento. Dort steht bis Sonntag traditionell „Shebeen Flick“, vulgär-englisch für „Schnapsbudenkino“, auf dem Programm. Innerhalb von vier Tagen werden zehn in Deutschland bisher unbekannte Streifen von irischen Filmemachern gezeigt – darunter heute Abend „The Queen of Ireland“. Mit der Dokumentation über Dragqueen Panti Bliss werden Rechte von nicht-heterosexuellen Menschen thematisiert – immer noch ein strittiges Thema im erzkatholischen Irland.

Weniger Bewegtbild, dafür original irische Klänge gibt es in der Ufa-Fabrik in Tempelhof: Hier spielt die Band Midnight Court mit Jimmy Dee Brian O’Connor Flöten- und Percussionklänge. Die Irish Dance Academy Berlin zeigt dazu traditionelle Tänze.

Auch an der jährlichen „Global Greening“-Kampagne beteiligt sich Berlin. Wie 71 weitere Wahrzeichen weltweit erstrahlt der Funkturm, weithin sichtbar, in grünem Licht.

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