Berlin : Staatsanwälte sind stolz auf „ihren“ UN-Ermittler Mehlis

Aber in Berlin sorgt man sich bereits um die Sicherheit des Kollegen nach seiner Rückkehr

Bernd Matthies

Ein Berliner macht Weltkarriere, jedenfalls auf Zeit: Oberstaatsanwalt Detlev Mehlis, der Leiter der UN-Sonderermittlungen zum Mord an dem libanesischen Ex-Regierungschef Hariri, hat am Dienstag vor dem UN-Sicherheitsrat Bericht erstattet über den Stand seiner Erkenntnisse. Seit UN-Generalsekretär Kofi Annan ihn in den Rang eines stellvertretenden Generalsekretärs erhob und damit das Gewicht seiner Arbeit mit Nachdruck betonte, ist der Berliner Jurist faktisch die Nummer drei der Weltorganisation – seine Ermittlungen sind von zentraler Bedeutung für die politische Entwicklung im Nahen Osten.

Das ist selbst in einer Behörde, die so wenig zu demonstrativer Heiterkeit neigt wie die Berliner Staatsanwaltschaft, mit erkennbarer Freude registriert worden. Generalstaatsanwalt Dieter Neumann, der direkte Vorgesetzte von Mehlis in der Behörde in Schöneberg, äußerte sich mit angemessener Zurückhaltung: „Wir sind schon in gewissem Maße stolz darauf, dass einer von uns mit dieser wichtigen Aufgabe betraut wurde“, sagte er, „es fällt damit ja auch ein wenig Glanz auf unsere Behörde.“ Grund zum Feiern habe man bisher allerdings noch nicht gesehen, denn die Ermittlungen seien ja auch noch nicht abgeschlossen. Neumann zeigte sich nicht überrascht über die offensichtliche Durchsetzungsfähigkeit und Hartnäckigkeit seines obersten Terrorismusfahnders: „Ich habe ihn ja schließlich selbst vor neun Jahren aus Moabit hier zum Kammergericht geholt.“

Auch die Kollegen aus den niedrigeren Rängen der Hierarchie sind offenbar erfreut über die Arbeit von Detlev Mehlis. „Wir werden ja normalerweise nicht so üppig mit Lob bedacht“, sagte Christine Höfele, die Vizevorsitzende der Vereinigung der Staatsanwälte in Berlin, deshalb sei es schön, dass ein Kollege mit so wichtigen Aufgaben betraut werde und sie unter den Augen der Weltöffentlichkeit auch so erfolgreich erfülle. Sie erwarte, dass Mehlis nach dem Ende seiner Arbeit bei der UN auch in Deutschland weiter aufsteige und möglicherweise nicht mehr an seinen Arbeitsplatz zurückkehre.

Das sieht der Generalstaatsanwalt vorerst anders. Er gehe davon aus, dass Mehlis nach dem 15.Dezember, dem endgültigen Ende seines UN-Mandats, zum Kammergericht zurückkehren werde, sagte Dieter Neumann. Dass er bleiben wird, hält allerdings auch Neumann für unwahrscheinlich. „Ich erwarte nicht, dass er hier bei mir am Kammergericht als Oberstaatsanwalt in Pension gehen wird.“

Den Behördenleiter plagen zudem vorerst andere Sorgen: Mehlis wird, wenn er denn nach Berlin zurückkehrt, unweigerlich zu einem Sicherheitsproblem für die hiesigen Behörden werden, denn er hat sich zwangsläufig einflussreiche Feinde in Libanon und Syrien gemacht; gegenwärtig sind in Beirut ständig rund 40 Bodyguards um ihn herum in Alarmbereitschaft. Es ist anzunehmen, dass die Bedrohung durch das Ende des Mandats nicht verschwindet. Man denke bereits gründlich über dieses Problem nach, sagte Neumann.

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