Berlin : Staatsanwalt als letzter Zeuge im Bankenprozess

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Nach sechsmonatiger Verhandlung geht der erste Prozess gegen frühere Vorstandsmitglieder der Landesbank Berlin (LBB) im Zusammenhang mit der Berliner Bankenaffäre in die Schlussrunde. Das Berliner Landgericht will in zwei Wochen noch einen Staatsanwalt als voraussichtlich letzten Zeugen befragen und anschließend die persönlichen Verhältnisse der beiden Angeklagten erörtern. „Dann könnte plädiert werden“, sagte gestern die Vorsitzende Richterin.

In dem seit Mai laufenden Prozess müssen sich UlfWilhelm Decken, ehemals Vorstandssprecher der Landesbank, und Jochem Zeelen, Ex-Vorstandsmitglied, wegen des Vorwurfs verantworten, gegen Bilanzierungsvorschriften verstoßen zu haben. Sie sollen in der Zeit von Dezember 1994 bis April 1997 gemeinsam mit einem weiteren Vorstandsmitglied die persönlich haftenden Gesellschafter der Weberbank sowie die Komplementäre von fünf Fondsgesellschaften der LBB von der Haftung für Geschäftsverbindlichkeiten freigestellt haben. Diese der Bank aufgebürdeten Risiken in Höhe von bis zu 7,7 Milliarden Euro seien nicht in den Jahresbilanzen für 1997, 1998 und 1999 ausgewiesen worden, obwohl das nach Ansicht der Anklage nötig gewesen wäre.

Decken und Zeelen haben die Vorwürfe vehement zurückgewiesen. Sie hätten nichts verheimlicht, erklärten sie. Alle Risiken seien in den Abschlüssen enthalten gewesen, die fraglichen Freistellungserklärungen hätten überhaupt nicht in die Bilanz hineingehört. Die beiden einstigen LBB-Vorstände müssen sich ebenfalls seit Mai in einem weiteren Prozess vor dem Landgericht wegen Untreue verantworten. Der Prozess um Bilanzfälschung wird am 15. November fortgesetzt. K.G.

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