• Staatsanwalt fordert zehn Jahre Haft für Doppelmord 21-Jähriger, der zwei Rentnerinnen tötete, gilt als schuldfähig und soll höchste Jugendstrafe erhalten

Berlin : Staatsanwalt fordert zehn Jahre Haft für Doppelmord 21-Jähriger, der zwei Rentnerinnen tötete, gilt als schuldfähig und soll höchste Jugendstrafe erhalten

Kerstin Gehrke

Mit der virtuellen Waffe in der Hand eilte David K. durch dunkle Gänge und schoss auf alles, was sich bewegte. Bis zu acht Stunden am Tag beschäftigte er sich mit brutalen Computerspielen. Die so genannten Ego-Shooter-Spiele seien möglicherweise eine Erklärung für das, was der 21-jährige Angeklagte anrichtete, hieß es gestern im Plädoyer des Staatsanwalts. Die Computerspiele könnten bei David K. die Hemmschwelle zum Töten herabgesetzt haben. „Wie ein schleichendes Gift, das auf die Seele tropfte“, sagte Staatsanwalt Thomas Junge.

Doch David K., der im vergangenen Jahr zwei Rentnerinnen in ihren Wohnungen überfallen und getötet hat, ist nicht vermindert schuldfähig. Zu dieser Auffassung war eine Gutachterin gekommen, und davon gingen nun auch Staatsanwalt und Verteidiger aus. Der junge Mann aus Marzahn sei allerdings wegen seiner unreifen Persönlichkeit einem Jugendlichen gleichzusetzen. Die Anklage verlangte wegen zweifachen Mordes die Verhängung der Höchststrafe. Das sind zehn Jahre Haft. Der Verteidiger sprach sich für eine etwas geringere Strafe aus, verzichtete aber auf einen konkreten Antrag. Am Freitag will die Jugendstrafkammer das Urteil verkünden.

Feige und schamlos seien die Verbrechen, sagte der Staatsanwalt. Im Mai 2003 tötete der Angeklagte die 82-jährige Ilse Hampel in Mitte, knapp vier Monate später die 91-jährige Emma Funk in Tempelhof. Beide Frauen erstickten laut Anklage in Plastiktüten. Seinem ersten Opfer hatte der junge Mann Hilfe beim Tragen der Einkaufstüten angeboten, bei Emma Funk gab er sich als Paketzusteller aus. Bei den Rentnerinnen erbeutete er 30 und 40 Euro. Als er im August das Konto seines zweiten Opfers um 1900 Euro plünderte, kam ihm die Polizei auf die Spur.

Erschreckend emotionslos hatte K. die Taten im Prozess gestanden. Er sagte, er habe Berufskiller werden wollen. Äußerlich regungslos blieb er, als der Staatsanwalt über die Details der Verbrechen sprach. „Irgendwas muss im Leben des David K. komplett schief gelaufen sein“, sagte der Staatsanwalt. Vielleicht habe es auch daran gelegen, dass K., der seine Kindheit als „wunderbar“ beschrieb, nie Grenzen gesetzt worden seien. Doch es blieb bei Erklärungsversuchen, Antworten blieb der Prozess schuldig.

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