• Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Zugabfertiger, die trotz Warnung durch Augenzeugin nicht handelten

Berlin : Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Zugabfertiger, die trotz Warnung durch Augenzeugin nicht handelten

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Die Staatsanwaltschaft hat jetzt Anklage gegen zwei Zugabfertiger der S-Bahn erhoben. Dem 45-jährigen Mann und seiner 33 Jahre alten Kollegin wird fahrlässige Tötung durch Unterlassen vorgeworfen. Die beiden Zugabfertiger hatten Dienst, als am Abend des 2. Mai auf dem S-Bahnhof Bellevue ein auf die Gleise gestürzter 23-jähriger Mann von einem Zug überrollt und tödlich verletzt wurde.

Zuvor hatte eine Zeugin aus ihrem auf dem gegenüberliegenden Gleis abfahrenden Zug der Linie S 75 beobachtet, wie der Mann auf dem Bahnsteig getorkelt und rückwärts auf die Gleise gestürzt war. An der nächsten Station, Lehrter Stadtbahnhof, hatte die Frau dem 45-jährigen S-Bahner den Vorfall berichtet. Doch anstatt unverzüglich die Sperrung der Gleise zu veranlassen oder das Personal auf dem Bahnhof Bellevue zu informieren, soll der Bahnbedienstete zuerst den Zug in Richtung des 1700 Meter oder rund vier Fahrminuten entfernten Bahnhofs Bellevue abgefertigt haben - genau jenen Zug, der den auf den Gleisen Liegenden tödlich verletzte. Auch der Triebwagenführer wurde nicht gewarnt.

Dann erst soll er seine Kollegin über das bahninterne "Basa"-Netz angerufen und über den Vorfall unterrichtet haben. Doch die auf dem Bahnhof Bellevue eingesetzte 33-jährige Frau hat laut Anklage "nur aus dem Abfertigungshäuschen heraus den Gleiskörper kontrolliert . . . , obwohl sie aufgrund ihrer Größe nicht in der Lage war, das Gleisbett sicher einzusehen, und sie verpflichtet gewesen wäre, bei der bestehenden Gefahrenlage genaue Nachforschungen anzustellen", teilte Justizsprecherin Michaela Blume gestern mit.

Der Fahrer des kurz zuvor von dem 45-jährigen Beschuldigten abgefertigten Zuges sah bei der Einfahrt in den Bahnhof Bellevue zwar noch einen Körper auf den Gleisen liegen, konnte aber trotz einer Gefahrenbremsung nicht mehr stoppen. Der Mann wurde überrollt und erlitt tödliche Verletzungen.

Ungeklärt scheint nach wie vor zu sein, wieso der Mann sieben bis acht Minuten auf dem Gleis liegen konnte, ohne dass er von irgendjemandem bemerkt wurde und auch aus einer Entfernung von 18 Metern - soweit liegt auf dem S-Bahnhof Bellevue die Glaskanzel der Zugabfertiger vom Unglücksort entfernt - nicht erkannt worden war.

Die letzte Chance, den Mann zu retten, hätte der Triebwagenführer gehabt, wenn er rechtzeitig über den auf den Gleisen liegenden Mann informiert worden wäre. Selbst auf der Strecke hätte man ihm per Funk noch einen "Nothalt" befehlen können. Aber auch dies unterblieb.

Ein Termin für die Hauptverhandlung gegen die beiden S-Bahnmitarbeiter steht nach Auskunft von Michaela Blume noch nicht fest.

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