Staatsanwaltschaft ermittelt : Matheschwindel betrifft mehr als 60 Schulen

Der Kreis der vom Schwindel betroffenen Schulen weitet sich aus. Eltern und Schüler sind gegen eine Neuauflage der Klausuren, eine Demonstration ist für kommenden Montag geplant. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit hat bereits sich klar positioniert.

Die Aufgaben der zentralen Mathe-Prüfung für Zehntklässler sollen vorab an mehr Berliner Schulen die Runde gemacht haben als zunächst angenommen. Die Senatsverwaltung für Bildung sprach am Freitag von 60 Schulen, nachdem sie zunächst von zwölf ausgegangen war. Unterdessen spitzte sich der Streit um die geplante Wiederholung der Prüfung durch alle 28.000 Zehntklässler weiter zu. Auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) schaltete sich ein und unterstützte die Linie seines Senators Jürgen Zöllner (SPD). Dessen Sprecher drohte mit Blick auf die Nachprüfung am 23. Juni: "Wer nicht kommt, fällt durch." Die Behörde versicherte, die neue Klausur werde nicht schwerer sein.

Bislang ist nicht geklärt, wie die Klausuraufgaben vom vergangenen Mittwoch vor den Prüfungen in die Hände von Schülern geraten konnten. Polizei und Staatsanwaltschaft suchen nach der undichten Stelle.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) warf der Bildungsverwaltung vor, durch die Neuauflage der Prüfung an allen 346 Schulen die Ehrlichen zu bestrafen und "einen Rattenschwanz von juristischen Auseinandersetzungen" zu provozieren. Man verlangte, es bei der Jahresendnote in Mathematik zu belassen und die Mathematikprüfung gar nicht zu berücksichtigen. Der Philologenverband warnte vor erneuten Betrugsversuchen, sollte es der Senat bei der Suche nach dem Leck belassen, ohne die Sicherheitsstandards zu erhöhen.

Wowereit spricht sich für Wiederholung aus

Wowereit verteidigte den zweiten Klausur-Anlauf für alle Schüler: "Ich finde es richtig, die Mathematikaufgaben zu wiederholen", sagte Wowereit der Deutschen Presse-Agentur dpa. "Es soll ein fairer Wettbewerb sein. Und wenn viele Schüler schon vorab im Besitz der Prüfungsaufgaben waren, dann gibt es gar keine andere Möglichkeit als zu wiederholen, um diesen fairen Wettbewerb zu gewährleisten."

Der Berliner Landesschülerausschuss kündigte am Freitag an, alle Zehntklässler über die Neuauflage abstimmen zu lassen. Spreche sich eine Mehrheit dagegen aus, werde der Ausschuss mit allen Mitteln gegen das Vorhaben der Bildungsverwaltung angehen, notfalls mit einer Klage, sagte der Vorsitzende Maximilian Wolter am Freitag. "Mathe ist bei vielen das Angstfach und niemand will wegen so einer zweiten Auflage durchfallen", erklärte er. "Wir sehen aber auch, dass die Prüfung nicht mehr fair bewertet werden kann".

Für den Mittleren Schulabschluss müssten dieselben Sicherheitsstandards gelten wie für zentrale Abiturprüfungen, forderte der Philologenverband Berlin/Brandenburg. Die Prüfungsunterlagen dürften erst am Tag der Klausur selbst den Schulen übergeben werden. Die Umschläge dürften nur unter Zeugen und erst unmittelbar vor Prüfungsbeginn geöffnet werden. Im konkreten Fall waren die Unterlagen nach Angaben der Verwaltung schon zehn bis 14 Tage vorher in den Schulen. Die Sicherheitsstandards des mittleren Schulabschlusses unterschieden sich kaum von denen des Zentralabiturs. Sie würden nun aber mit diesen abgeglichen, sagte der Sprecher. Er äußerte Verständnis für "Frust, Ärger und Wut der Schüler". (ddp)

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