Staatsbürgerschaft : Die ersten Berliner absolvieren den Einbürgerungstest

Das umstrittene Prüfungsverfahren zur Einbürgerung startet - die ersten Berliner sind dabei. Die Volkshochschulen weiten ihr Kursangebot aus. Kritiker befürchten dennoch unnötig hohe Hürden für die Einbürgerungswilligen.

Lars von Törne

Sie kommen aus Indien, Russland und der Schweiz, aus dem Libanon, Nigeria und China. Und sie haben sich in den vergangenen Wochen darauf vorbereitet, mit welchen Worten die deutsche Nationalhymne beginnt, für wie lange Bundestag und Abgeordnetenhaus gewählt werden oder ab welchem Alter man an der Wahl der Bezirksverordneten teilnehmen darf. Am heutigen Montag absolvieren die ersten Berliner mit ausländischem Pass den neuen Einbürgerungstest, um deutsche Staatsbürger werden zu können. Die beiden ersten Tests finden am Nachmittag in der Volkshochschule (VHS) Mitte statt. Jeweils ein gutes Dutzend Bewerber um den deutschen Pass nimmt pro Durchgang daran teil, sagt Michael Weiß, der bei der VHS für Deutsch als Zweitsprache zuständig ist.

Tausende einbürgerungswillige Berliner wollen ihnen in den kommenden Monaten folgen und den seit Anfang September für Neubürger bundesweit erforderlichen Test ablegen. Alleine in der VHS Mitte, die etwa ein Viertel aller Berliner Bewerber betreut, finden ab heute drei bis vier Prüfungen pro Woche statt. 8000 Testteilnehmer jährlich erwarten die Volkshochschulen. „Die ersten sind vor allem Bewerber, die sich bereits in Einbürgerungsverfahren befinden und unter Zeitdruck stehen“, sagt Weiß. Die Kandidaten aus aller Welt müssen laut Gesetz bereits mindestens sieben Jahre in Deutschland leben. Die größte Einwanderergruppe der Türken ist bei den ersten Tests allerdings überraschenderweise nicht vertreten.

Die ersten Prüflinge, die sich heute dem Test stellen, haben sich dafür in der Regel selbst vorbereitet. Zusätzlich gibt es seit Monatsbeginn an den Volkshochschulen Mitte und Neukölln Kurse, in denen Einwanderer jeweils 60 Stunden lang für die Prüfung büffeln. Die ersten Kurse enden kommende Woche. Ab Oktober wollen alle Volkshochschulen Einbürgerungskurse anbieten. Außerdem soll es dann kürzere, auf 12 bis 16 Stunden angelegte Prüfungstrainings geben.

Unter Einwanderungsexperten ist die Prüfung umstritten. „Wir sind gegen den Einbürgerungstest, weil es schon jetzt zu viele Hürden für die Einbürgerung gibt“, sagt Udo Wolf, integrationspolitischer Sprecher der Linken im Abgeordnetenhaus. Das Verfahren dauere zu lange, es gebe keine doppelte Staatsbürgerschaft. Er kritisiert, dass in Deutschland die Einbürgerung „als Belohnung für eine gelungene Integration“ gesehen werde. „Aber Einbürgerung kann auch ein gutes Integrationsmittel sein.“ Berlin als Land kann auf den jetzt erforderlichen Test allerdings nicht einwirken. Das Verfahren in den Volkshochschulen ist vom Bund vorgeschrieben. Die Ergebnisse werden in den Tagen nach dem Test vom Bundesamt für Migration ausgewertet und den Teilnehmern mitgeteilt.

Um einen deutschen Pass zu bekommen, müssen die Prüflinge mindestens 17 von 33 Fragen richtig beantworten, in denen es um das politische System der Bundesrepublik, deutsche Geschichte und Kultur geht. Insgesamt hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 300 Fragen erarbeiten lassen, aus denen jeder Bewerber eine andere Auswahl vorgelegt bekommt (siehe Kasten). Drei Fragen beziehen sich auf das jeweilige Bundesland. Die Teilnehmer können in der Regel aus vier angebotenen Antworten auswählen und haben dafür eine Stunde Zeit. Die Teilnahme kostet 25 Euro und kann beliebig oft wiederholt werden.

Informationen der VHS unter Telefon 2009 4749. Internet: www.bamf.de

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