Berlin : Staatssekretär: "Graffiti wird sich überleben"

Erste Phase "Aktion sauberes Berlin" ist abgeschlossen / Landeseigene Gebäude wurden von Schmierereien befreit BERLIN (kf).Während ein neues Lasergerät zum Entfernen von Graffiti noch in der Erprobung ist, rücken die Berliner Reinigungsfirmen den Schmierereien mit Farbe oder Hochdruckdampf zu Leibe.Die erste Phase der "Aktion sauberes Berlin" scheint nun aber abgeschlossen zu sein."Der Reinigungsdurchgang an den landeseigenen Gebäuden ist beendet", sagt Staatssekretär Ingo Schmitt.Die Zahl der "Wiederbeschmierungen" halte sich derweil in Grenzen. Im Frühjahr begann die Senatsverwaltung für Bauen, Wohnen und Verkehr, die landeseigenen Gebäude von den Graffiti beseitigen zu lassen.Rund 16 000 Quadratmeter wurden seitdem an Häusern, 95 000 Quadratmeter an Brücken, Autobahnzufahrten und Tunnelanlagen übermalt.Etwa sechs Millionen Mark hat dieser erste Reinigungsdurchgang die Stadt gekostet."Neue Schmierereien entfernen wir nun normalerweise innerhalb der nächsten 48 Stunden", sagt Schmitt.Nun seien auch die Bezirke gefragt, ihre Schulen und Schwimmbäder von den Schmierereien zu befreien. Daß die meisten renovierten Flächen bislang nicht von neuen Graffiti "geschmückt" werden, führt Schmitt nicht zuletzt auf die "gute Zusammenarbeit" mit der Polizei zurück."Wenn eine Brücke sauber ist, sagen wir Bescheid, damit die Beamten ein Auge darauf werfen." Und Lob erntet die Polizei auch bei den Berliner Verkehrsbetrieben."Der Fall, daß ganze Zugwände besprüht werden, kommt durch die Zusammenarbeit nur noch selten vor", sagt BVG-Pressesprecher Klaus Wazlak.Inzwischen habe man mehr mit den zerkratzten Scheiben und den sogenannten Tags auf Bänken und Wänden zu kämpfen.Vandalismus und Graffiti kostet die BVG nach eigenen Angaben aber noch immer rund 24 Millionen Mark im Jahr. Bei der Berliner Polizei arbeitet seit 1994 gemeinsam mit dem Bundesgrenzschutz eine Ermittlungsgruppe "Graffiti in Berlin".Sie erstattete im ersten Halbjahr 1997 rund 1816 Anzeigen wegen Sachbeschädigung, auf frischer Tat ertappten die Polizisten in dieser Zeit 644 Sprüher.Hinzu kommen 2613 Täter, die überführt wurden, während sie sich am Eigentum der Bahn vergriffen: "Diese Fälle gehen auch weit über die Stadtgrenze hinaus", heißt es bei der Polizei.Die Täter sind in der Regel männlich und zwischen 14 und 18 Jahre alt.Als Vorbild diente den Berliner Politikern New York.Auch dort, sagt Schmitt, habe man nach drei Maximen gehandelt: "Die Schmierereien bekämpfen, gesellschaftlich ächten und sofort übermalen." Inzwischen sei das Phänomen Graffiti auf dem Rückzug.Und glaubt man den Worten des Staatssekretärs, wird die neue Lasermaschine (siehe Kasten) vielleicht gar nicht mehr zur Anwendung kommen."Auf Dauer wird sich Graffiti überleben."

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