Stabswechsel : Charité soll neuen Chef bekommen

Der Vertrag des amtierenden Vorstands der Charité, Detlev Ganten, wird nicht verlängert. Dabei hatte der jetzige Chef geplant, bis 2010 zu bleiben.

Liva Haensel
Charité
Stabswechsel. Der Vertrag des noch amtierenden Vorstands, Detlev Ganten, des Berliner Klinikums wird nicht verlängert. -Foto: dpa

BerlinEr soll gehen – dabei hatte er sich vorgenommen, bis zur 300-Jahr-Feier seines Klinikums im Jahr 2010 zu amtieren. Der Fünf-Jahres-Vertrag von Charité-Chef Detlev Ganten wird nicht verlängert, bestätigte gestern ein Sprecher der Wissenschaftsverwaltung. Ganten soll bis Frühjahr 2009 seinen Posten räumen. Die große Feier des Traditionsklinikums wird ohne ihn stattfinden. „Der Vorstand der Charité leistet gute Arbeit. Vor allem der mittel- und langfristige Entwicklungsbedarf stellt auch aus personeller Sicht eine Herausforderung dar und verlangt Antworten. Der Vorstand hat in den vergangenen vier Jahren die Charité zukunftsfähig gemacht. Es ist nun unsere Pflicht, rechtzeitig dafür zu sorgen, dass dieser vom Berliner Senat mit Nachdruck unterstützte Kurs in den nächsten Jahren erfolgreich fortgesetzt werden kann“, sagte Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD). Gantens Position soll noch in dieser Woche ausgeschrieben werden. Ganten selber sagte gestern laut einer Pressemitteilung, dass künftig ein gutes Team gebraucht werde, dass die Charité „in eine gute Zukunft führt“. Er selber stehe dafür aus Altersgründen nicht zur Verfügung, „da eine längerfristige Kontinuität nötig ist“, sagte der 67-Jährige.

Die Personalentscheidung kam nicht überraschend. Schon in den letzten Monaten hatte es Gerüchte über die Zukunft des dreiköpfigen Vorstands gegeben. Klinikumsdirektor Matthias Scheller, der neben Ganten und Dekan Marin Paul zum Vorstand gehört, hat nur einen befristeten Ein-Jahres-Vertrag. Dass auch Paul zum Herbst den Vorstand verlassen wird, hatte vor allem bei den Grünen Unmut über die Charité-Spitze hervorgerufen. Lisa Paus, wirtschaftspolitische Sprecherin der Grünen, begrüßte die Veränderung. Ganten sei zwar in wissenschaftlicher Hinsicht „ein guter Mann“, aber in puncto Management und Krankenhausbetrieb „wohl überfordert gewesen“. Die Opposition hatte stets bemängelt, dass die Charité seit vier Jahren keinen Wirtschaftsplan vorgelegt hatte – dieser dient dazu, Finanzierungen und Bereiche offen zulegen. Auch die Jahresabschlussrechnung von 2007 stehe aus.

Stefanie Winde, gesundheitspolitische Sprecherin der SPD, sagte: „Ganten hat die Charité nach vorne gebracht und hohe Verdienste erworben.“ Dass ein 67-Jähriger in den Ruhestand gehe, sei „auch woanders normal“. Winde äußerte die Vermutung, dass „Ganten die Charité nicht ganz verlassen werde, sondern ihr in anderer Form erhalten bleibe“. Ganten war seit Februar 2004 Vorstandsvorsitzender der Charité. Der Molekularmediziner hatte 1991 das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Buch mitgegründet. 

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