Berlin : Stadionsanierung keine Privatsache

AXEL BAHR

Bund und Land kommen um Finanzierung nicht herumVON AXEL BAHR BERLIN.Wenn es der Bund und Berlin mit der Sanierung des Olympiastadions ernst meinen, werden sie um ein erhebliches finanzielles Engagement nicht herumkommen.Die erhoffte private Finanzierung über eine kommerzielle Vermarktung des ehemaligen Reichssportfeldes wird nicht realisierbar sein.Während dies in der Sportverwaltung derzeit noch als offenes Geheimnis gilt, spricht der Präsident des Landessportbundes (LSB), Manfred von Richthofen, Klartext. "Eine Privatfinanzierung der Stadion-Sanierung ist völlig illusorisch", so von Richthofen gegenüber dem Tagesspiegel.Der LSB-Präsident zieht damit die Konsequenz aus den bisherigen Erkenntnissen der Beratungsgesellschaft Dr.Seebauer und Partner, die bis zum 15.Februar ein Vermarktungskonzept unter der Vorgabe vorlegen soll, daß sich weder Berlin noch der Bund an der Sanierung und Modernisierung der maroden Arena beteiligen müssen.Der Bund als Eigentümer lehnt es wie das Land Berlin als Nutzer strikt ab, sich finanziell zu engagieren.Die Sanierung bei Aufrechterhaltung des Spielbetriebs wird mit etwa 660 Millionen Mark veranschlagt.Seebauer hat mittlerweile die Idee eines Vergnügungsparks auf dem 130 Hektar großen Areal verworfen.Zur Diskussion steht weiterhin der Bau eines neuen, reinen Fußballstadions, Wohnungsbau und die Ansiedelung von Dienstleistungsunternehmen. Von Richthofen kritisierte Sportstaatssekretär Klaus Löhe (SPD), der kürzlich die vollständige Schließung des Stadion während der Sanierung für etwa vier Jahre und die Errichtung eines Provisoriums auf dem Maifeld vorgeschlagen hatte.Eine Schließung würde den Sanierungsaufwand um 200 Millionen Mark drücken, ein provisorisches Stadion für 65 000 Zuschauer ca.50 Millionen Mark kosten."Von diesen vorschnellen Gedankenspielereien kann ich nur dringend abraten.Das stiftet lediglich Verwirrung, so bei dem für das Pokalendspiel verantwortlichen DFB", sagt der LSB-Präsident.Er plädiert dafür, das Abschlußergebnis von Seebauer zunächst abzuwarten und daraus die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. Sportsenatorin Ingrid Stahmer (SPD) will sich offiziell noch nicht von einem privaten Finanzierungsmodell verabschieden, gibt sich aber ernüchtert: "Was wir bisher von Seebauer erfahren haben, sieht alles andere als rosig aus." Stahmer verweist auf die Idee ihres Staatssekretärs, mit einer vollständigen Stadionschließung die Sanierungskosten erheblich zu reduzieren.Allerdings gibt sie zu, daß auch die Privatfinanzierung der dann noch rund 440 Millionen Mark wohl ebenfalls nicht annähernd durch privates Geld aufgebracht werden können.In letzter Konsequenz müßte dann Berlin seine Drohung wahrmachen und das Stadion an den Bund zurückgeben.

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