Berlin : Stadrat Porath und sein später Sieg an der Säule

Heidemarie Mazuhn

Nein, als Sieger fühle er sich nicht, „aber ich freue mich, dass die Love Parade ausfällt“, sagte Horst Porath gestern. Er hofft, dass das Mammutspektakel nie wieder in den Großen Tiergarten zurückkehren wird. Dass die Tanzparade in diesem Jahr zum ersten Mal ausfällt, beweise ihm, dass er entgegen populistischer Behauptungen doch Recht behalten habe. Und sein beharrliches „Bohren dicker Bretter“ sei auch ein Beispiel für die Politik.

Der pensionierte ehemalige Baustadtrat von Tiergarten ist der bekannteste Gegner der Techno-Veranstaltung, die ab 1996 als „politische Demonstration“ in die größte innerstädtische Grünanlage einfiel. So, wie sich um die Siegessäule herum alljährlich das hämmernde Stakkato der Techno-Töne wiederholte, so wiederholten sich auch Poraths Anti-Party-Auftritte. Dabei hatte er weniger etwas gegen die Love Parade, es waren die Bäume, Blumen und die Sträucher und der Rasen, die dem SPD-Mann am Herzen lagen. Und das schwoll ihm alljährlich vor Zorn und Trauer, wenn er bei seinem Kontrollrundgang nach dem Techno-Fest feststellte, was an neuen zu den alten und oft irreparablen Schäden im Park hinzugekommen war, der als „Donnerbalken der Nation“ herhalten musste. „Wenn Senat und Veranstalter nicht endlich versuchen, eine Alternativstrecke zu finden, garantiere ich für nichts“, sagt er 1998 apokalyptisch. Dazu kamen seine Vorwürfe an die Macher der Party, denen er Profitsucht unterstellt. „Die Gewinne waren immer privatisiert, die Verluste sozialisiert“, klagte er.

2003 besuchte der treueste Feind der Love Parade den Großen Tiergarten am Tag nach der Parade als Privatmann und sah dabei auch die erstmals aufgestellte Absperrung, die das Grün schützen sollte. Einen „hilflosen Versuch“ nannte Porath diese Maßnahme gestern und er prangerte die Oberflächlichkeit an, mit der viele die vermeintlich positive Auswirkung der Love Parade für Berlin anführten. Es sei eben schicker, sich für die Love Parade einzusetzen als für die Zukunft eines Parks. Gegen dessen seit 1996 nachweislich erlittenen Langzeitschäden helfe nur noch ein gezieltes Aufbauprogramm – das sei aber sinnlos, wenn es doch wieder eine Love Parade gebe.

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