Berlin : Stadt der Träume

Potsdam feiert schon 2011 als „Jahr des Films“, obwohl die erste Klappe im Glasatelier erst 1912 fiel

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Shakespeare besucht Potsdam. Auch Roland Emmerich gefiel es in Babelsberg so gut, dass er hier den Film „Anonymous“ drehte, in altenglischer Theaterkulisse. Foto: Eventpress Herrmann
Shakespeare besucht Potsdam. Auch Roland Emmerich gefiel es in Babelsberg so gut, dass er hier den Film „Anonymous“ drehte, in...Foto: Eventpress Herrmann

Potsdam - Werden einer Stadt wie Potsdam gleich zwei große Jubiläen in einem Jahr beschert, beginnt in den Amtsstuben das Grübeln. Kapazitäten werden geprüft, Risiken und Chancen abgewogen, schließlich fällt eine gewagte Entscheidung: „Wir ziehen ein Ereignis vor!“ Beim runden Geburtstag des 1712 geborenen Preußenkönigs Friedrich II. ist das kaum möglich, also wurden die Archive zur Potsdamer Filmgeschichte gewälzt.

Und siehe, es gibt eine Lösung. Zwar fiel die erste Klappe für den Stummfilm „Der Totentanz“ im Glasatelier am 12. Februar 1912, so dass eigentlich erst 2012 gefeiert werden könnte. Aber der Grundstein für dieses neuartige Studio auf dem Gelände der ehemaligen Weber- und Spinnersiedlung Nowawes, nahe der Wohnkolonie Neubabelsberg, wurde schon im November 1911 gelegt. Die Stadtspitze zögerte nicht lange und rief 2011 zum „Jahr des Films“ aus, in dem einige Dutzend Veranstaltungen an die 100-jährige Tradition erinnern sollen.

Potsdamer Filmakteure halten solch ein Themenjahr für überfällig. „Endlich nimmt sich unsere Stadt dieses großen Themas wirklich an“, sagt Bärbel Dalichow, Direktorin des Filmmuseums im ehemaligen Marstall. „Bei uns werden seit fast 100 Jahren bewegte und bewegende Bilder hergestellt. Es begann mit einer Manufaktur, und heute gehören Babelsberger Bildermacher zur global agierenden Medienindustrie. Nicht zufällig wurden hier die erste Filmhochschule und das erste Filmmuseum Deutschlands gegründet.“ Auch der Chef des Filmparks, Friedhelm Schatz, bewertet ein „Jahr des Films“ als höchst erfreulich. Ein Höhepunkt werde sich die mit dem Filmorchester Babelsberg organisierte „Agentennacht“ auf der Glienicker Brücke am 14. Mai sein. Mit Musik, Stunts sowie Pyro- und Spezialeffekten soll das Spektakel an die Zeit des Spionenaustauschs zwischen Ost und West erinnern.

Die Reihe „Filmschauplatz des Monats“ wird an die zahlreichen Drehorte in Potsdam und Umgebung erinnern. Dazu zählen das Stadtbad Babelsberg („Die Legende von Paul und Paula“, 1972/73), das Obeliskportal im Park Sanssouci („Madame Dubarry“, 1919), die Neuen Kammern in Sanssouci („Ich war 19“, 1968), Schloss Marquardt („Effi Briest“, 2009) oder die Sternwarte Babelsberg („Stürme über dem Montblanc“, 1930). Die Filme werden im Museum gezeigt.

Unterhaltung versprechen auch die Führungen. Unter dem Motto „Filmstars, Staatsgrenze und Stalin-Villa“ geht es zwischen 16. April und 16. Oktober jeden ersten und dritten Sonntag im Monat zu den einstigen Wohnhäusern von Marika Röck, Brigitte Horney oder Anny Ondra. Daneben führt der dreistündige Spaziergang auch zu den Residenzen von Truman, Churchill und Stalin während der Potsdamer Konferenz 1945. Direkt vor der Tourist-Information im Hauptbahnhof beginnt an zehn Terminen zwischen April und Oktober der Ausflug „Babelsberg – Facetten einer Filmstadt“. „Wir können aus einer Fülle von Episoden und Anekdoten schöpfen“, versichert Gästeführerin Norma Kühl.

Die Liste der Schauspieler, die in Babelsberg vor der Kamera standen, ist lang und reicht von Marlene Dietrich, Hans Albers, Heinz Rühmann und Zarah Leander über Manfred Krug und Rolf Hoppe bis zu Jeanne Moreau, Gérard Depardieu, Tom Cruise und Brad Pitt. Am 21. Mai findet dort ein Tag der offenen Tür statt. 16 Studios gibt es auf dem 46 Hektar großen Gelände, auf dem 3000 Menschen arbeiten. Auch der Requisitenfundus mit 250 000 Kostümen und einer Million Einzelteilen öffnet dann seine Türen.

Der Filmpark Babelsberg wartet zur Saisoneröffnung am 15. April mit Neuerungen auf. So verwandelt sich die blaue Kugel von der Budapester Straße in Berlin in Deutschlands erstes 5-D-Kino. In Kulissen und Kostümen des Films „Die drei Musketiere“ gibt es im Sommer eine Action- und Tierfilmshow. Zwischen Mai und Oktober kommt die „Star Trek“-Ausstellung mit Modellbauten der Sternenflotte, Originalkostümen der Serien und Kinofilme nach Babelsberg. Am 24. September steigt schließlich die Eröffnung des originalgetreu nachgebauten Glasateliers, mit dem einst alles begann.

Weitere Informationen unter www.potsdam.de und www.filmpark-potsdam.de

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