Berlin : Stadt im Netz: Klicken und bummeln

CD

So hart die Konkurrenz im Einzelhandel auch sein mag - gestern kam es zum Schulterschluss zwischen der Arbeitsgemeinschaft City und der Interessengemeinschaft Friedrichstraße. Denn unter " www.kurfuerstendamm.de " und " www.friedrichstrasse.de " präsentieren sich die Händler jetzt auf fast identisch aussehenden Internetseiten. Von "feindlichen Brüdern" könne keine Rede sein, sagte dazu Wirtschafts-Staatssekretär Volker Liepelt (CDU). Nils Busch-Petersen vom Einzelhandelsverband fügte hinzu: "Getrennt marschieren, vereint schlagen."

Die "Portale", wie Startseiten im Internet oft genannt werden, beeindrucken durch multimediale Besonderheiten. So kann man virtuell über die Boulevards und Seitenstraßen flanieren. Sogar Blicke in einige Geschäfte sind möglich: Per Mausklick dreht sich das Bild und ermöglicht eine Rundum-Ansicht. Mit einer Stichwortsuche lässt sich herausfinden, wo es Waren bestimmter Hersteller gibt. Allerdings gilt dies nur für Geschäfte, die Gebühren an die Agentur "Globe Media" zahlen. Die übrigen sind lediglich mit Adresse und Branchenzugehörigkeit erwähnt. Deshalb ergibt zum Beispiel die Suche nach Adidas-Schuhen bisher nur zwei Treffer.

"Wir bieten die Plattformen, die Mitglieder entscheiden über die Inhalte", sagte der Vorsitzende der AG City, Peter Hosemann. Zu den Ausnahmen gehört ein Veranstaltungskalender, den Globe Media zusammenstellt und täglich aktualisieren will. Bald sollen die Seiten auch in englischer Sprache vorliegen, angedacht sind außerdem Französisch und Russisch. Was fehlt, ist die Möglichkeit zum Einkauf übers Netz. Dieser Versandhandel bringe nur "verschwindend geringe" Umsätze, urteilte Busch-Petersen.

Innerhalb der Händlergemeinschaften gibt es auch Kritik wegen der "horrenden" Kosten für die Geschäfte, wie es ein Mitglied der AG City ausdrückt. Allein die Einrichtungsgebühr beträgt 1500 Mark (zum Teil gewährte die Agentur aber Ermäßigungen). Monatlich kommen 75 bis 150 Mark hinzu. Billiger können sich Händler der Zürcher Bahnhofstraße seit 1998 im Netz präsentieren; ihre Seiten waren das Vorbild für Berlin. In Zürich wurden Anlaufkosten von umgerechnet 40 000 Mark von der dortigen, 160 Mitglieder starken Händlergemeinschaft gedeckt. Weitere Gebühren fallen nicht an.

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