Berlin : Stadt unter Spannung

Die Polizei lotst Israels Präsidenten Katzav in einer hunderte Meter langen Wagenkolonne durch Berlin – und hält Demonstranten in Schach

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Hubschrauber über der Stadt, lange Wagenkolonnen auf den Boulevards, rechte und linke Demonstranten, überall Blaulicht und Sperrungen: So begann am Montag der offizielle Teil des Besuchs von Israels Präsident Moshe Katzav in Berlin. Mehrere tausend Polizisten schützten den Staatsgast. Während des ganzen Tages kam es im Zentrum zu Verkehrsbehinderungen, die aber geringer ausfielen als befürchtet. Am Bahnhof Friedrichstraße sammelten sich am Abend Neonazis, um gegen Israel zu demonstrieren. Knapp 100 Rechtsextremisten zogen dann zum Schloßplatz. Mehrere hundert Linke versuchten, den Aufmarsch zu verhindern, wurden aber von der Polizei weggedrängt.

Katzav wurde von Bundespräsident Johannes Rau im Schloss Bellevue empfangen, traf Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), Außenminister Joschka Fischer (Grüne) sowie Bundestagspräsident Wolfgang Thierse. Am Nachmittag flog er mit dem Hubschrauber zum früheren Konzentrationslager Sachsenhausen. Für den Staatsgast gilt wegen der Bedrohung durch islamistische Terrorgruppen die höchste Sicherheitsstufe.

Das Interconti, wo Katzav in der besonders gesicherten Präsidentensuite wohnt, glich einer Festung. Die Budapester Straße wurde aber nur für eine knappe halbe Stunde jeweils für Autos und Fußgänger gesperrt, wenn Katzav das Hotel betrat oder verließ. So zum Beispiel gegen 11.15 Uhr, als die von 15 Polizeimotorrädern eskortierte Wagenkolonne den Staatsgast vom Frühstück beim Bundespräsidenten zurück ins Hotel brachte. Neben den Motorrädern bestand die mehrere hundert Meter lange Wagenkolonne aus 20 Funkstreifen und Mannschaftswagen sowie etwa 25 zivilen Limousinen, teils mit Blaulichtern – die Limousine des Präsidenten war kaum auszumachen.

Gegen 17 Uhr nachmittags formierten sich die Demonstranten der NPD am Südeingang des Bahnhofs Friedrichstraße. Parteichef Udo Voigt, weitere Vorstandsmitglieder, NPDAnwalt Horst Mahler und der Hamburger Neonazi-Anführer Christian Worch waren gekommen. Die linken Gegendemonstranten waren deutlich in der Überzahl und versuchten, mit einer massiven Menschenkette den Aufbruch der Rechtsextremisten zur Friedrichstraße zu verhindern. Mehrere Polizeiketten drängten die Linken unter die Eisenbahnbrücke. Die Beamten verzichteten auf Schlagstöcke, Schilde und Tränengas. Offenkundig galt die Anweisung, den Protest gegen die Neonazis ohne besondere Härte von der rechten Route fern zu halten.

So blieb es bei kleineren Zwischenfällen. Linke bespuckten eine Gruppe Neonazis, die sich in den Schutz der Polizei flüchtete. Auf der ganzen Strecke des rechten Marsches, von der Friedrichstraße und Unter den Linden bis zum Schloßplatz, liefen Linke mit. Die mit Palästinenserschals drapierten Neonazis skandierten „Solidarität mit Palästina“, die Linken „Solidarität mit Israel“ und angesichts der extremen Kälte „hier erfriert der nationale Widerstand“. Gegen 20 Uhr endete der NPD-Aufzug am Schloßplatz, wo Parteichef Voigt eine Rede hielt – mit dem üblichen Inhalt.fan/fk/Ha/kf/sik

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