Berlin : Stadtautobahn: Die Unvollendete

Klaus Kurpjuweit

Die neue politische Konstellation nach den Wahlen hat ein Projekt wiederaufleben lassen, das längst begraben war - den Autobahnring um das Zentrum herum. Zu den Forderungen der FDP, die als Koalitionspartner in den Senat drängt, gehört es, den Stadtring zu schließen. Günter Rexrodt hat das immer wieder zum Wahlkampfthema gemacht und damit Widerspruch der Grünen provoziert. Vom ADAC wird der Lückenschluss im Ostteil der Stadt schon seit Jahren gefordert.

Zum Thema Ted: Soll der Autobahnring geschlossen werden? Der etappenweise eröffnete Stadtring A 100 reicht heute von der Seestraße in Wedding bis zur Buschkrugallee in Neukölln. Gebaut wird derzeit an der Verlängerung bis zum künftigen Dreieck Neukölln im Bereich der Grenzallee, wo die Teltowkanal-Autobahn A 113 Richtung Schönefeld und Berliner Ring abzweigt. Dieses Autobahnteilstück soll zum Jahreswechsel 2006/2007 fertig sein. Unmittelbar danach sollen die Arbeiten am Stadtring weitergehen, der bis zur Frankfurter Allee verlängert werden soll. Dafür bereitet die Verwaltung derzeit im Auftrag des Bundes das Genehmigungsverfahren vor. Die Autobahnen entstehen unter Leitung der Länder, werden aber vom Bund finanziert. Für die sechsspurige Piste Richtung Friedrichshain hat der Bund einen vordringlichen Bedarf anerkannt. Eine Finanzierungszusage ist damit nicht verbunden, weil der Bundesverkehrswegeplan chronisch unterfinanziert ist. Nach bisherigen Plänen wäre an der Frankfurter Allee Schluss mit dem Ausbau der Autobahn.

Stattdessen sollen vorhandene Stadtstraßen den "Ring" schließen, wobei zwischen der Frankfurter Allee und der Landsberger Allee noch eine Lücke klafft. Dagegen setzen sich die FDP und der ADAC für den Weiterbau der Autobahn bis zur Seestraße in Wedding ein. Im Ursprungskonzept aus den 50er Jahren waren für den Autobahn-Bau noch großflächige Häuserabrisse vorgesehen. Dies würde aber den Kiez zerstören, sagt ADAC-Vorstand Eberhard Waldau. Er schlägt vor, die Autobahn in Hochlage doppelstöckig über der Ringbahn entlangzuführen. Für die Zu- und Abfahrten wären komplizierte Rampenanlagen erforderlich. Städtebaulich wäre eine solche Anlage problematisch, gibt Waldau zu. Stadtplaner lehnen sie deshalb auch entschieden ab. Als Alternative bliebe für die Autobahn ein langer Tunnelbau - und für diesen fehlt auf unabsehbare Zeit erst recht das Geld. Eine Maut zur Finanzierung lehnt Waldau grundsätzlich nicht ab, es müsse dann aber gebührenfreie Umfahrungen geben.

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