Stadtbad Schöneberg : Das Bad ist nicht ganz dicht

Baustaub statt Badespaß: Die Schwimmhalle Schöneberg ist derzeit geschlossen und wird saniert. Erst im Herbst 2010 soll das Bad wieder öffnen.

Bert Szilagyi
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Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude muss saniert werden. -Foto: Uwe Steinert

Baustaub statt Badespaß heißt es zurzeit im Stadtbad Schöneberg. Laut schallen die Hammerschläge der Arbeiter durch die große leere Halle. Alle Fliesen rund um das große Schwimmbecken werden abgeschlagen. Darunter kommt die alte Abdichtung zum Vorschein, die normalerweise dafür sorgt, dass kein Wasser in den Beton sickern kann und in die unteren Stockwerke gelangt. „Das Wasser tropfte eine Etage tiefer aber schon von der Decke und fast auf die Föhne in der Damenumkleide“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Berliner Bäder Betriebe, Klaus Lipinsky.

Die alte Abdichtung war teilweise nur ein Zehntel so dick wie vorgeschrieben. Überall sieht man braune Flecken an der Decke, an einigen Stellen tropft es selbst eine Woche nach der Schließung noch. Lange Zapfen aus Kalk hängen an den Decken, Stahlträger sind völlig verrostet. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude sei in einem desolaten Zustand und muss von Grund auf für mindestens 4 Millionen Euro saniert werden.

Ursprünglich waren 2,5 Millionen angesetzt. „Ob weitere Kosten auf uns zukommen, wissen wir noch nicht“, sagt der zuständige Architekt Hans-Joachim Niemeck. Das 1929 erbaute Stadtbad war zunächst bis 1989 in Betrieb. Dann musste es aufgrund von Sicherheitsmängeln für zehn Jahre geschlossen werden. Das Bezirksamt Schöneberg hatte damals für 50 Millionen Mark mehrere Firmen mit der Sanierung beauftragt. Die Arbeiter trugen jedoch nur eine dünne Schicht Abdichtungsmittel auf. Die Bauaufsicht des Bezirksamts Schöneberg bemerkte die Mängel in der Gewährleistungsphase. „Als der Schaden jedoch behoben werden sollte, war die verantwortliche Firma pleite“, sagt der Schöneberger Baustadtrat Bernd Krömer (CDU). Nun müssen die Berliner Bäderbetriebe den Schaden mit Steuergeldern beheben.

„Selbst die Duschtrennwände aus Glas waren schlecht beschichtet. Sie wurden durchsichtig, was für unsere Gäste natürlich nicht sehr angenehm ist“, erklärt der zuständige Ingenieur der Abteilung Bau und Technik, Carsten Piede.

Trotz dieser Zustände sei das Bad vor allem für Familien ein Publikumsmagnet gewesen. So musste es zuletzt sogar mehrmals kurzzeitig geschlossen werden, da die Wasseraufbereitungsanlage nicht für die durchschnittlich 1200 Tagesbesucher ausgelegt war. Zur Neueröffnung im Herbst 2010 sollen dann bis zu 2400 Gäste jeden Tag baden, planschen und saunieren können.

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