Stadtbild : Ein Denkmal fällt

Anfang April beginnt der Abriss des Schimmelpfeng-Hauses. Der Start für einen Neubau ist noch sehr ungewiss.

Cay Dobberke
Schimmelpfeng Haus am Zoo
Die letzten Tage. Die letzten Tage. Das Schimmelpfeng-Haus am Zoo soll ab Anfang April abgerissen werden. Foto: Thilo RückeisFoto: Thilo Rückeis

BerlinFast fünf Jahrzehnte lang hat das "Schimmelpfeng-Haus" den westlichen Rand des Breitscheidplatzes in der City-West geprägt – doch Anfang April wird das Baudenkmal weitgehend abgerissen, wie der Charlottenburg-Wilmersdorfer Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) bestätigte. Die neunstöckige Überbauung der Kantstraße verschwindet ebenso wie das niedrigere, spitzwinklig an die Hardenbergstraße grenzende Gebäude. Vorerst stehen bleibt der siebenstöckige Erweiterungsbau am Breitscheidplatz, der bis zum Kurfürstendamm reicht.

Die Abrissgenehmigung liegt seit langem vor, war aber nicht umgesetzt worden, weil sich der geplante Bau eines 119-Meter-Hochhauses mit zwei Nebengebäuden bis heute verzögert. Dass der Abriss naht, liegt an den laufenden Bauarbeiten für das ebenfalls 119 Meter hohe "Zoofenster". Am 27. März findet die Grundsteinlegung statt. Die Bauherren aus Abu Dhabi kauften Teile des Schimmelpfeng-Hauses von der Eurohypo Estate. Laut Baustadtrat Gröhler wäre "das Zoofenster sonst nicht direkt am Breitscheidplatz angekommen".

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Zum Hauptmieter im Zoofenster werden die Betreiber des New Yorker Luxushotels Waldorf-Astoria, das zur Hilton-Gruppe gehört (wir berichteten). Die zusätzlichen Flächen will Waldorf-Astoria gastronomisch nutzen. Mitte 2011 soll das vom Architekten Christoph Mäckler entworfene Zoofenster fertig sein. Das 244-Zimmer-Hotel wird als "bestes Haus der Stadt" angekündigt.

Proteste gegen Abriss

Der Denkmalschutz für das Schimmelpfeng-Haus ist wirkungslos, weil die Senatsbauverwaltung das gesamtstädtische Interesse an der Entwicklung des Breitscheidplatzes als wichtiger einstuft. Vor einem Jahr protestierte der Verein "Denk mal an Berlin" gegen den Abriss, der aber schon genehmigt war. Das Gebäude vervollständige den Platz und schütze vor Lärm und Wind, hieß es. Das Hochhaus könne neben dem Altbau entstehen.

Errichtet wurde das Schimmelpfeng- Haus zwischen 1957 und 1960 nach Plänen der Architekten Franz Heinrich Sobotka und Gustav Müller. Seinen Namen hat es von einer Wirtschaftsdetektei, die dort bis Mitte der 80er Jahre residierte. Der Immobiliengesellschaft Eurohypo Estate GmbH in Eschborn (früher: Casia) gehört weiterhin der Teil zwischen Kantstraße und Ku’damm. Das dort seit Jahren geplante Hochhaus, das der Architekt Christoph Langhof entworfen hat, soll neben einigen Läden und Büros vor allem ein weiteres großes Hotel aufnehmen. Allerdings ist der Baubeginn noch immer offen.

Zuletzt geriet das Vorhaben durch die Pleite der US–Bank Lehman Brothers ins Stocken, die das ganze Schimmelpfeng- Areal erworben hatte. Dieses fiel dann wieder an die Eurohypo zurück. Momentan werde mit möglichen Partnern "über ein Joint-Venture verhandelt", sagt Projektleiter Ekkehard Liebig.

Der Bezirk hatte neue Hochhäuser am Breitscheidplatz ursprünglich abgelehnt, genehmigt wurden die Projekte von der Senatsverwaltung. Jetzt aber freut sich auch Stadtrat Gröhler, dass die Sichtachse zwischen dem Platz und der Kantstraße frei werde. Viel zu lange habe die Straße, die eigentlich eine 1A-Lage sei, "im Schatten gelegen". Cay Dobberke

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