Stadtbild : Potsdams Flanierstraße droht zu veröden

Fast ein Drittel der Einwohner halten die Brandenburger Straße im Zentrum bereits für wenig attraktiv. Immer mehr Gebäude stehen leer, die Spuren der Vernachlässigung werden sichtbar.

Kay Grimmer
Schwindende Beliebtheit. Die Brandenburger Straße leidet unter zunehmendem Leerstand und mangelnder Sauberkeit. Potsdamer beklagen sich über die abnehmende Attraktivität der Einkaufsmeile.
Schwindende Beliebtheit. Die Brandenburger Straße leidet unter zunehmendem Leerstand und mangelnder Sauberkeit. Potsdamer beklagen...Foto: Andreas Klaer

Potsdam – Leerstand, mangelnde Sauberkeit, fehlendes Geld für Werbung: Potsdams Innenstadt schwächelt offensichtlich. Das wurde bei einem Workshop zur Zukunft des Innenstadthandels am gestrigen Montag in der Industrie- und Handelskammer deutlich. Vor allem der Geschäftsführer des Karstadt-Kaufhauses in der Brandenburger Straße, Harald Kirchfeld, wählte drastische Worte. Namhafte Filialisten hätten der Innenstadt den Rücken gekehrt – „zum einen wegen zu wenig Umsatz, zum anderen wegen zu hoher Mieten“, sagte Kirchfeld. Doch nicht nur durch Kündigung würden Ladenflächen freistehen. Auch Karstadt selbst hat noch Platz. So ist die gesamte vierte Etage – rund 2000 Quadratmeter Handelsfläche – seit der Kaufhauswiedereröffnung ungenutzt. Neben dem Filialisten Pimkie hat zudem auch der Juwelier Christ sein Geschäft auf der Einkaufsstraße geschlossen.

Die einzigen Läden, die bislang offenbar jeden Mietpreis zahlen, seien Bäckereiketten – mehr als vier solcher Läden gebe es auf der Brandenburger Straße, schüttelte Kirchfeld verständnislos den Kopf. „Das braucht Potsdam nicht.“ Der Kaufhaus-Chef appellierte vor allem an die Einzelhändler. Die Geschäftsinhaber müssten die Attraktivität der Innenstadt weiter verbessern. „Es ist bedauerlich, dass es nicht einmal annähernd einheitliche Ladenschlusszeiten gibt“, so der Potsdamer Kaufhaus-Chef. Manch ein Einzelhändler schließe um 17 Uhr, andere bei schlechtem Wetter, noch andere würden samstags gar nicht öffnen, zählte Kirchfeld auf.

Er kritisierte zudem die Sauberkeit in einigen Innenstadtstraßen: „Manchmal unterscheidet sich die Straße nicht von einer Müllhalde“, wählte Kirchfeld deutliche Worte. Er könne nicht nachvollziehen, weshalb nicht alle Händler darauf achten würden – „schon aus eigenem Interesse“. Auch der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Innenstadthändler, Wolfgang Cornelius, bemängelte die Sauberkeit. „Offensichtlich weiß noch immer nicht jeder Hauseigentümer, dass nur die Fahrbahn der Brandenburger Straße von der Straßenreinigung gesäubert wird. Für den Rest sind die Eigentümer verantwortlich“, so Cornelius. Er plädierte für strengere Kontrollen vom Ordnungsamt und sogar Bußgelder.

Dass es um die Beliebtheit des Einkaufsstandorts Potsdam nicht rosig steht, zeigt eine Umfrage des Potsdamer Geschäftsstraßenmanagements. Nicht einmal jeder fünfte Befragte bezeichnete Potsdam überwiegend als Einkaufsstadt, über 30 Prozent antworteten auf die Frage „eher nein“. Potsdams Marketingchefin Sigrid Sommer plädierte auf dem Workshop trotzdem dafür, sich „auf die restlichen 50 Prozent zu konzentrieren, die Potsdam ,teilweise’ als Einkaufsziel sehen.“

Doch es mangelt offenbar am Geld, um selbst gut gemeinte Projekte bekannt zu machen. So hat Geschäftsstraßenmanager Jan Kickinger kaum finanzielle Mittel, um Projekte wie das Parkgebühren-Erstattungssystem in der City zu bewerben. Dabei erhalten Kunden von teilnehmenden Händlern ihre Parkgebühren teilweise oder ganz zurück. Laut Kickinger sei das Angebot an Parkplätzen in der Innenstadt „gut, man muss sie nur finden“. Doch nicht nur für die Bewerbung von Parkmöglichkeiten in der Innenstadt fehlt Geld. Offenbar benötigt Kickinger auch Mittel, um das System überhaupt erst einmal bei den Händlern bekannt zu machen. Lediglich 40 Geschäftsinhaber in der Innenstadt beteiligen sich derzeit am „P+E-System“.

Um das Geschäftsstraßenmanagement auf finanziell bessere Füße zu stellen, empfiehlt die Potsdamer FDP ein gemeinsames Stadtmarketing mit Tourismus- und Handelsförderung, sagte Martina Engel-Fürstberger. Die FDP-Fraktionsvorsitzende verwies auf die Stadt Hameln, die solch eine gemeinsame Vermarktung geschaffen habe, an der Stadt, Einzelhändler und Einkaufscenter-Betreiber beteiligt sind. Die Verwaltung gibt dabei höchstens 100 000 Euro Zuschuss im Jahr, der Großteil des Stadtmarketings wird von den Händlern getragen.

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