Stadtbild : Senat will mit Riesenpostern aufräumen

Jahrelang ärgerten sich die Bezirke gegen „Wildwuchs“ an Baugerüsten. Zum Jahresende soll eine neue Bauordnung Abhilfe schaffen.

Lars von Törne
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Blickfang. Mit Werbung am Bettenhaus finanziert die Charité Bauarbeiten. Foto: Wolff

BerlinGroße Werbeflächen dominieren seit einigen Jahren zunehmend das Stadtbild. Damit ist nach dem Willen von Senat und Bezirken bald Schluss. Durch eine bis Jahresende geplante Novelle der Bauordnung sollen Poster ab einer bestimmten Größe und ab einer bestimmten Dauer wieder als „Verunstaltung“ verboten werden – wie es bereits früher bis zu einer Reform im Jahr 2005 der Fall war.

„Große Werbebanner an Baugerüsten und Bauzäunen sollen künftig nur noch bis zu einer begrenzten Höhe vom sogenannten Verunstaltungsverbot freigestellt sein und auch nur für die Dauer der Bautätigkeit“, sagte Marko Rosteck, Sprecher der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, dem Tagesspiegel am Freitag.

Tags zuvor hatte Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) im Parlament angekündigt, die bisherige Regelung zurückzunehmen und Großplakate wieder zu beschränken. Diese verschandelten die Stadt. Als besonders unschöne Beispiel nennt ihr Sprecher die Werbeposter an der Charité, am Kronprinzenpalais Unter den Linden, am Charlottenburger Tor und an der St.-Hedwig-Kathedrale. Nun soll die Bauordnung so geändert werden, dass Plakate ab fünf Metern Höhe strengeren Grenzen bezüglich Größe und Hängezeitraum unterliegen. Auch müssen Plakate an Baugerüsten und ähnlichen Anlagen künftig wieder offiziell genehmigt werden.

In den Bezirken ist man froh über die Initiative, die man sich dort schon seit einiger Zeit gewünscht hätte. „Wir waren schon damals, 2005, gegen die Liberalisierung durch den Senat, die zu diesem Wildwuchs geführt hat“, sagt Klaus-Dieter Gröhler (CDU), Baustadtrat in Charlottenburg-Wilmersdorf. Als Beispiel für besonders störende Großplakate nennt Gröhler einen für drei Monate angebrachten Aushang an der Scientology-Zentrale in der Otto-Suhr-Allee. Gröhler hofft, mit der voraussichtlich bis zur zweiten Jahreshälfte geänderten Bauordnung solche Aushänge zeitlich stärker beschränken zu können. Auch ärgert ihn so manche „Scheinbaustelle“, wo hinter einem mit Plakaten verhangenen Gerüst keine Bauarbeiten zu sehen sind, seinem Amt aber die Möglichkeit fehle, dagegen vorzugehen. Er hofft, dass sich Bezirke, Senat und Abgeordnetenhaus auf eine möglichst strenge Neuordnung einigen.Lars von Törne

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