Stadtentwicklung : Alt wie ein Baum

Berlin gibt es länger, als wir bisher wussten. Archäologen fanden Eichenbohle von 1192. Bisher galt 1237 als Geburtsjahr der Hauptstadt.

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Das offizielle Geburtsjahr Berlins: Bei Ausgrabungen wurde auch diese Tellerscherbe entdeckt. Die Hauptstadt ist älter als...Foto: Leon Kahane

Am Petriplatz, einem der ältesten Orte Berlins, haben die Landesarchäologen jetzt einen Eichenbalken aus dem Jahr 1192 gefunden. Das sei der älteste gesicherte Nachweis für die Anfänge der Stadt, schreibt die „Zeit“ in ihrer neuen Ausgabe, die morgen erscheint. Eine kleine Sensation für die Archäologen. Bisher galt 1237 als das offizielle Geburtsjahr Berlins, gesichert durch eine Urkunde, die über den Pfarrer Symeon aus der Petrikirche berichtet.

Das Alter der Holzbohle, die einen Erdkeller in einer Fachwerkhaussiedlung stützte, ist durch eine dendrochronologische Bestimmung (Untersuchung der Jahresringe) zweifellos erwiesen. Das Forscherteam unter Leitung der Archäologin Claudia Melisch hat Glück gehabt, denn im märkischen Sand ist die Chance, so altes Holz zu finden, sehr gering. In diesem Fall lag das frühere Baumaterial über Jahrhunderte im Grundwasser, also unter Luftabschluss.

Die Landesarchäologen dürfen seit März 2007 am Petriplatz graben, zwischen Gertrauden-, Scharren- und Brüderstraße im Bezirk Mitte. An der Wiege Berlins. Historisch gesehen in Cölln, dem älteren Teil der ehemaligen Doppelstadt. Dort entsteht, auf Grundlage des Planwerks Innenstadt, der fast verschwundene Petriplatz neu. Die zerstörte Petrikirche, deren kärgliche Reste 1960 endgültig beseitigt wurden, hatte vier Vorgängerbauten an gleicher Stelle. Dazu gehörte eine Lateinschule, deren Keller nach einem großen Brand als Müllkippe benutzt wurde. Darunter stießen die hartnäckigen Forscher auf Erdkeller, von denen wir jetzt wissen, dass sie mindestens aus dem Jahr 1192 stammen. Zwar wurde ganz in der Nähe bei früheren Ausgrabungen ein noch älterer Holzbalken (um 1171) gefunden), aber das war ein wiederverwendetes Bauteil, das von sonst woher stammen könnte. Da sind die Archäologen sehr genau. za

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