Stadtentwicklung : Dahlemer Gesundbrunnen

Auf dem früheren Klinikgelände des Oskar-Helene-Heims wird gebaut: Investoren planen ein medizinisches Zentrum und ein Wohnviertel. Und nebenan rollen die Bagger für zwei weitere Projekte.

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Hier landen keine Hubschrauber mehr. Bereits vor 13 Jahren wurde die orthopädische Klinik im Oskar-Helene-Heim ins Bering-Krankenhaus verlagert. Die OP-Säle in den neueren Bauten (rechts) dienten seitdem noch einige Male als Filmkulissen - so etwa für den Hollywoodstreifen „Flightplan“ mit Jodie Foster.
Hier landen keine Hubschrauber mehr. Bereits vor 13 Jahren wurde die orthopädische Klinik im Oskar-Helene-Heim ins...Foto: Cay Dobberke

Vom traditionsreichen Oskar-Helene-Heim (OHH) ist nicht mehr viel übrig. Seit die Klinik 1999 ins Behring-Krankenhaus verlagert wurde, gibt es auf dem Gelände neben dem gleichnamigen U-Bahnhof in Zehlendorf nur noch einige Arztpraxen und eine Filmfirma, die leer stehende OP-Säle zum Beispiel als Kulissen für „Tatort“-Krimis nutzt. Bis 2014 soll aber wieder mehr Leben einkehren: Am Donnerstag stellten Investoren ihre Pläne für eine Wohnsiedlung und einen Gesundheitsstandort vor.

Das Bauvorhaben ist eines von dreien rund um die Clayallee: Auf der Truman Plaza, wo früher das Deutsch-Amerikanische Volksfest gefeiert wurde, errichtet der Investor Stofanel zurzeit umstrittene große Geschäftshäuser und die Luxuswohnsiedlung „Fünf Morgen Dahlem Urban Village“. Auch gegenüber, im einstigen Berliner Hauptquartier der US-Armee, haben Arbeiten für ein Wohnungsbauprojekt namens „Metropolitan Gardens“ begonnen.

Bauboom an der Clayallee. Gleich auf drei Nachbargrundstücken in Dahlem gibt es Projekte.
Bauboom an der Clayallee. Gleich auf drei Nachbargrundstücken in Dahlem gibt es Projekte.Grafik: Tsp/ Kroupa/ RR

Im südlichen Teil des elf Hektar großen Geländes des Oskar-Helene-Heims plant die Berliner Firma „Die Wohnkompanie“ 30 Doppel- und Reihenhäuser sowie zehn weitere Gebäude mit 100 Miet- und Eigentumswohnungen, die laut Geschäftsführer Stephan Allner „für einen Kapitalanleger reserviert“ sind. Die Reihenhäuser im künftigen „Oskar-Helene-Park“ entstehen zur Clayallee hin, zusätzlich gepflanzte Bäume sollen sie vom Lärm der verkehrsreichen Straße abschirmen. Wohnungskäufer werden dort 3800 bis 4450 Euro je Quadratmeter zahlen. Teurer sind die einzelnen Häuser mit bis zu 5200 Euro je Quadratmeter. Als Zielgruppe gelten vor allem „Zehlendorfer der Generation 50 plus“.

Im nördlichen Teil am U-Bahnhof entsteht der Gesundheits-Campus. Diese Idee liegt nicht nur geschichtlich nahe, der Bezirk hatte eine mindestens 50-prozentige Nutzung für medizinische Zwecke auch vorgeschrieben. Steglitz-Zehlendorf hat den stadtweit höchsten Altersdurchschnitt. Andererseits gibt es dort es eine Überversorgung mit Arztpraxen. Deshalb betonen die Planer, man wolle nur Ärzte aus Zehlendorf ansiedeln. „Die Mediziner sollen etwa aus einem Umkreis von drei Kilometer kommen“, sagte Peter Wulff, der sich mit seiner Blue Health GmbH auf den ambulanten Gesundheitsmarkt spezialisiert hat. Er entwickelt das Projekt mit der Planungsgesellschaft KEC des Architekten Jürgen Kahl.

Unter dem Titel „eins – alles für die Gesundheit“ sind eine Privatklinik für Orthopädie und Chirurgie, ein „Meridian Spa“-Wellnesszentrum, ein Radiologie- und ein Krebszentrum und weitere Praxisbereiche geplant. Die momentan auf dem Gelände ansässigen Sport- und Fachärzte können bleiben und erhalten während der Bauzeit provisorische Praxisräume. Außerdem laufen Verhandlungen für ein Vier-Sterne-Hotel mit 110 Zimmern – alternativ ist ein Pflegeheim angedacht. Darüber hinaus gehören eine Apotheke, ein Reformhaus und ein Sanitätsgeschäft zum Konzept.

Ein Ärztehaus ist aber auch nebenan auf der Truman Plaza geplant. Mit dem dortigen Investor Stofanel haben die OHH-Bauherren eine Kooperation vereinbart. Diese sieht vor, dass bestimmte Fachrichtungen nur auf einen der beiden Standorte ziehen.

Die Baugenehmigung für das Oskar-Helene-Heim liegt noch nicht vor, doch laut Bezirksbaustadtrat Norbert Schmidt (CDU) ist nur noch „etwas Feinabstimmung“ notwendig. Die Investoren wollen im Winter mit den Arbeiten starten. Unberührt bleibt die geschützte große Waldfläche im Westen, an deren Rand ein öffentlicher Fuß- und Radweg den Fischtalpark mit dem U-Bahnhof verbinden soll. Auch die alte Direktorenvilla und ein Schwesternwohnheim bleiben stehen – alles andere wird abgerissen.

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