Stadtentwicklung in Berlin-Charlottenburg : Hardenbergplatz gerät aufs Abstellgleis

Drumherum wird eifrig gebaut, doch am Hardenbergplatz vor dem Bahnhof Zoo tut sich nichts. Nun sind Pläne für eine Tiefgarage gefährdet: Investoren haben kaum Interesse.

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Vom Verkehr geprägt. Der Hardenbergplatz am Bahnhof Zoo soll ganz oder weitgehend autofrei werden. Doch für die bisher geplante Tiefgarage fehlt ein Betreiber.
Vom Verkehr geprägt. Der Hardenbergplatz am Bahnhof Zoo soll ganz oder weitgehend autofrei werden. Doch für die bisher geplante...Foto: Thilo Rückeis

Rund um den Charlottenburger Hardenbergplatz vor dem Bahnhof Zoo folgt ein Bauprojekt aufs andere, am 3. April öffnet nebenan zum Beispiel die Einkaufspassage „Bikini Berlin“ – nur auf dem Platz selbst kommt die seit Jahren geplante Neugestaltung nicht voran. Jetzt steht dort der Bau einer Tiefgarage auf der Kippe: Weil mögliche private Betreiber wenig Interesse zeigen, wollen Bezirks- und Senatsvertreter bei einem „Strategiegespräch“ am Mittwoch klären, ob eine Ausschreibung noch sinnvoll ist. Eigentlich sollte diese nach einigen Verzögerungen im Laufe dieses Jahres starten.

Der Charlottenburg-Wilmersdorfer Baustadtrat Marc Schulte (SPD) bestätigte die Probleme. Zuvor hatte Stadtentwicklungs-Staatssekretär Ephraim Gothe (SPD) im Abgeordnetenhaus mitgeteilt, dass Investoren „uns nicht die Bude einrennen“. Dafür gibt es offenbar verschiedene Gründe. Laut einem Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung dürften in der Tiefgarage höchstens 300 Stellplätze entstehen – das entspricht in etwa der Zahl der oberirdischen Parkplätze. Doch für einen wirtschaftlichen Betrieb reicht das aus Sicht mehrerer Firmen nicht aus.

Die IHK kritisiert die „Tatenlosigkeit“ des Bezirks und des Senats

Nach seiner Kenntnis sei bisher „kein Interessent gefragt worden“, sagt Gottfried Kupsch, Vorstandsmitglied der AG City. Der Bezirk hatte mal mit dem Unternehmen Wöhr + Bauer verhandelt, das die Tiefgaragen unter dem Alexander- und Bebelplatz betreibt. „Das ist aber Jahre her“, sagt Kupsch. Auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin kritisiert, es sei „nie ein Investor gesucht worden“. Gefragt seien „Ideen und Verantwortung“ statt „Tatenlosigkeit“, sagte Vize-Hauptgeschäftsführer Christian Wiesenhütter.

Als weitere Schwierigkeit gilt, dass vorhandene Parkhäuser und -garagen in der Nähe mehrere tausend Stellplätze bieten – das neueste Parkhaus hat zwischen dem Bikini-Haus und dem neuen Hotel „25hours“ neben dem Elefantentor des Zoos eröffnet. Zudem gibt es Befürchtungen, dass der Garagenbau unter dem Hardenbergplatz sehr kompliziert wäre. So sieht es jedenfalls ein Stadtplanungsbüro, das mit Anrainern am „Runden Tisch“ über die Zukunft des Platzes berät.

Demnach müssten Vorkehrungen getroffen werden, damit der Grundwasserpegel nicht sinkt; sonst sei die Statik des Bahnhofs Zoo gefährdet, der auf Pfählen im Wasser stehe. Kupsch hält wenig von dieser Warnung: „Das hat doch bisher niemand wirklich untersucht.“

Die Verkehrsberuhigung soll auch Großveranstaltungen ermöglichen

Es gibt alternative Konzepte für die Verkehrsberuhigung des Platzes. Angedacht ist eine Hochgarage auf dem BVG-Betriebsgelände an der Hertzallee oder dem dortigen Grundstück des gescheiterten Riesenradprojekts – beide Areale stehen bisher aber nicht zur Verfügung. Diskutiert wurden auch variable oberirdische Parkplätze, von denen Autos bei Bedarf kurzfristig verbannt werden könnten.

Die Ziele hatte 2011 bereits Schultes Vorgänger als Baustadtrat, der heutige Bundestagsabgeordnete Klaus-Dieter Gröhler (CDU), benannt: Der Hardenbergplatz soll nicht nur attraktiver für Passanten wirken, sondern auch Großveranstaltungen ermöglichen. Auf dem bekannteren Breitscheidplatz gibt es dafür zu wenig Raum. Gröhler hatte sogar eine Ausweitung des Elefantengeheges im Zoo bis auf den Platz angeregt, die Zooverwaltung hat allerdings keine solchen Pläne.

Unterdessen wird in der Umgebung weiter kräftig gebaut, nicht nur im Bikini-Haus: Neben dem Zoofenster-Hochhaus mit dem Hotel Waldorf-Astoria entsteht der zweite 118-Meter-Turm „Upper West“, in dem 2016 ein Hotel der Budgetkette Motel One öffnen soll. Außerdem scheinen die Tage der als Schmuddelecke verrufenen Passage an der Joachimstaler Straße mit dem Beate-Uhse-Erotikmuseum gezählt. Für einen geplanten Neubau hat der US-Investor Hines bereits Teile der Passage gekauft. Auch der Umbau des Bahnhofs Zoo rückt wohl näher. Entwürfe der Deutschen Bahn sollen als Erstes die Neueröffnung des Lokals „Terrassen am Zoo“ vorsehen. Der Bahnvorstand muss allerdings noch zustimmen.

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