Stadtentwicklung in der City-West : Kleingärtner fühlen sich von allen veräppelt
01.10.2012 00:00 UhrDas Planungsrecht verwirrt: Der gefährdete Teil der Kolonie gilt als Kleingartenfläche – aber auch als Bauland
Das bisherige Baurecht ist widersprüchlich: Berlins Flächennutzungsplan (FNP) weist das Areal als Kleingartenfläche aus, der Baunutzungsplan aus den 50er Jahren dagegen als Bauland. Auch nach drei Gutachten, darunter ein vom Investor beauftragtes Gegengutachten, blieb die Lage verworren.
Die Lone-Star-Tochterfirma hat einen Bauvorbescheid für Wohnhäuser gestellt und vor dem Verwaltungsgericht eine „Untätigkeitsklage“ gegen den Bezirk erhoben. Aus Sicht der Finanzverwaltung „sollte der Ausgang dieses Verfahrens abgewartet werden“. Grundsätzlich sei man „gerne bereit, mit dem Bezirk andere Möglichkeiten zu erörtern, wie die Kleingartenkolonie gesichert werden könnte“, sagt Sprecherin Kathrin Bierwirth.
Stadtrat Schulte will erst einmal „weiter dafür werben“, dass der Senat ein Prozessrisiko absichert. Andernfalls bleibe ihm nur, mit dem Investor über das Ausmaß der Bebauung zu verhandeln. Vereinskassierer Beloch ist sich derweil sicher, dass Lone Star als Investmentgesellschaft gar nicht selbst bauen will. Komme es zur Genehmigung, „werden die weiterverkaufen“.
Die Schmargendorfer Laubensiedlung ist nicht die einzige bedrohte in der City West. So könnte die Kolonie Durlach am Volkspark Wilmersdorf, deren Schutzfrist 2010 abgelaufen ist, bald vom Liegenschaftsfonds ausgeschrieben werden. Das Gelände „in begehrter Wohnlage“ werde „für eine Vergabe an Baugemeinschaften, zum Beispiel mit der Zielrichtung generationenübergreifendes Wohnen, empfohlen“, gab die Stadtentwicklungsverwaltung schon 2009 bekannt.
Für einen Garten in der Kolonie Oeynhausen stehen derweil noch immer 100 Bewerber auf einer Warteliste. Der Bezirksverband bevorzugt in den von ihm verwalteten Kolonien Interessenten, die andernorts ihre Parzelle verloren haben. So kommt es, dass sich neben Dietmar Thurisch vier weitere Umzügler aus der Kolonie Württemberg angesiedelt haben.
Deren Bebauung mit 214 Eigentums- und Mietwohnungen in 13 Häusern soll im Frühjahr abgeschlossen sein. An die alten Gärten wird in den „Rosengärten“ nichts mehr erinnern.
Die Laubenkolonie im Internet:
www.kleingaertnerverein-
oeynhausen.de


















