Stadtentwicklung : Neptun-Brunnen soll wandern

Der einflussreiche Senatskulturchef André Schmitz will die alte Stadt zurück. Dafür müsste der Neptun-Brunnen am Rathaus weichen.

Ralf Schönball
Neptun
Groß genug für das Schloss: Neptun und seine Gespielinnen. -Foto: dpa

BerlinDie erste Sitzung des Kulturausschusses nach Ostern fand ohne Senatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) statt. Auch keiner ihrer Staatssekretäre hatte gestern Zeit für Fragen der Abgeordneten. Nun ist Junge-Reyers Ressort auch gar nicht Kultur, sondern Stadtentwicklung. Aber in ihren Bereich hatte sich vor kurzem eben auch Kulturstaatssekretär André Schmitz eingemischt. Er hatte vorgeschlagen, "das Herz der Stadt" zwischen Fernsehturm und Humboldt-Forum in der historischen Gestalt zu rekonstruieren. Und André Schmitz gilt als graue Eminenz im Senat, ein mächtiger Mann eben.

"Klaus Wowereit hat André Schmitz den Rücken gestärkt", sagte Michael Braun (CDU) nach der Sitzung des Ausschusses. Der Regierende Bürgermeister habe es begrüßt, dass die Debatte über das Zentrum wieder angestoßen werde. Auch der Kulturpolitiker sagt, dass "diese Diskussion geführt werden muss". Davon will man aber im Hause der Senatorin für Stadtentwicklung nichts wissen: "Jetzt warten wir erst einmal die Ergebnisse des städtebaulichen Wettbewerbs zur Gestaltung des öffentlichen Raums rund um das Humboldt-Forum ab", so Sprecherin Manuela Damianakis.

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Worum es eigentlich geht? Um politisches Profil und eine alte Debatte. Sie betrifft die Gestaltung des Marx-Engels-Forums auf der "Rückseite" des geplanten Schlossneubaus sowie der anschließenden Freifläche vor dem Roten Rathaus. Laut Schmitz hat hier einmal das "Herz der Stadt" pulsiert. Heute fegt der Wind über eine karge, weitläufige Fläche, an deren Rand der dichte Verkehr auf der Karl-Liebknecht-Straße tost. Geschichtsträchtig sind hier einzig Marienkirche und Neptun-Brunnen. Doch die wirken an diesem Ort wie Fremdkörper.

"Deshalb muss der Neptunbrunnen zurück vor das Portal zwei des Schlosses, an den Scheitelpunkt der Breite Straße", sagt Wilhelm von Boddien. Der unermüdliche Fürsprecher des Wiederaufbaus des Hohenzollernbaus sagt, Bildhauer Reinhold Begas habe "den Neptun" im 19. Jahrhundert in seiner Größe und seinen Proportionen auf das Schloss hin entworfen. Auf der "weiten Steppe", auf der er heute stehe, sehe er "albern" aus.

Und die Marienkirche? Schon der frühere Senatsbaudirektor Hans Stimmann hatte sich dafür ausgesprochen, den zugigen Platz vor dem Roten Rathaus durch die Wiederanlage der historischen Heiligegeist- und der Bischofstraße zu zerschneiden. Dadurch würde das ursprünglich hier gelegene Quartier wieder zum Vorschein kommen. "Marienviertel" hieß es einmal, nach der dort übrig gebliebenen Kirche. So entstünde auch Raum für "Stadthäuser", die bereits an anderen Orten die Innenstadt lebendiger machen.

Gegen diese Pläne setzt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung bisher aber stur auf die Macht des Faktischen: Das Marx-Engels-Forum sei "bis 2017" für die Baustelleneinrichtung der U 5 reserviert. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher betonte ferner, dass das Forum als Grünfläche im "Planwerk Innenstadt" ausgewiesen sei – und der Plan sei Bestandteil des Koalitionsvertrags.

Geschlossen wurde er mit der Linken. Und deren Politiker verteidigen gerne mal das DDR-Erbe – und seien es städtebauliche Leerstellen, die einmal als Aufmarschplätze dienten.

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