Stadtentwicklung : Raststätte Dreilinden wird Checkpoint für Bohrer

23.06.2012 00:00 UhrVon Cay Dobberke
  • Rund und bunt: Seit 2002 steht die Raststätte Dreilinden leer. Im Juni 2012 wurde das Gelände für 535 000 Euro versteigert, der neue Eigentümer will dort Bohrmaschinen lagern. Foto: Thilo Rückeis
    Rund und bunt: Seit 2002 steht die Raststätte Dreilinden leer. Im Juni 2012 wurde das Gelände für 535 000 Euro versteigert, der neue Eigentümer will dort Bohrmaschinen lagern. - Foto: Thilo Rückeis
  • Der rote Pop-Art-Bau am ehemaligen Grenzübergang war einmal eine Raststätte für hungrige Transitfahrer. Foto: Thilo Rückeis
    Der rote Pop-Art-Bau am ehemaligen Grenzübergang war einmal eine Raststätte für hungrige Transitfahrer. - Foto: Thilo Rückeis
  • Da war noch was los: Ostern 1974 der Kontrollpunkt Dreilinden mit reisenden Berlinern in Richtung Westen. Im Hintergrund die DDR-Grenzbefestigung. Foto: dpa
    Da war noch was los: Ostern 1974 der Kontrollpunkt Dreilinden mit reisenden Berlinern in Richtung Westen. Im Hintergrund die DDR-Grenzbefestigung. - Foto: dpa

Die geschichtsträchtige Raststätte Dreilinden am einstigen Autobahn-Grenzübergang in Nikolassee ist verkauft. Ein Hersteller von Fundament- und Tiefbohrmaschinen will rundum seine Geräte lagern. Eine Disko im Turm bleibt möglich.

Am Freitag hat ein Berliner Geschäftsmann den markanten rot-gelb-blauen Turm für 535 000 Euro ersteigert. An Gastronomie denkt der Käufer Werner Scharwächter vorerst allerdings nicht: Er wolle auf dem 5000 Quadratmeter großen Gelände rundum die „außerordentlich großen Maschinen“ seiner Firma Boramtec lagern, sagte der Unternehmer nach der Auktion.

Die „Bohr + Rammtechnik Berlin GmbH“ stellt Fundament- und Tiefbohranlagen sowie Rammgeräte her und hat alle ihre Kunden im Ausland. Für den Export sei die Nachbarschaft zur Autobahn ideal, findet Scharwächter. Der 65-Jährige stammt aus dem Sauerland, seit 20 Jahren ist sein Unternehmen auf dem ehemaligen sowjetischen Kasernengelände in Karlshorst ansässig.

Scharwächter schloss eine spätere gastronomische Nutzung des denkmalgeschützten Raststättengebäudes aber nicht aus: „Eine Disko kann ich mir auch vorstellen, wenn ich damit Geld verdienen kann.“ Der vorherige private Besitzer hatte das Grundstück 2009 vom Liegenschaftsfonds gekauft und ein Diner-Lokal nach amerikanischem Vorbild, eine Lounge und ein Billighotel geplant. Dieses Konzept wurde auch vom Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf genehmigt. Dann aber gab der Unternehmer sein Projekt auf – vermutlich wegen der hohen Kosten. Die seit zehn Jahren leer stehenden Räume der Raststätte seien „sanierungs- und modernisierungsbedürftig“, aber auch durch Vandalismus beschädigt, hieß es jetzt im Verkaufsprospekt der Deutschen Grundstücksauktionen AG.

Das ursprüngliche Restaurant war 1973 eröffnet worden und nach Plänen des Architekten Rainer Gerhard Rümmler entstanden, der als Gestalter vieler Berliner U-Bahnhöfe bekannt ist. Die Architektur und die poppigen Farben waren auch als demonstratives Gegenstück zur tristen DDR-Grenzarchitektur gedacht. Das Restaurant zog aber zu keiner Zeit viele Gäste an. Inzwischen hat der Turm keinen direkten Autobahnanschluss mehr, sondern ist für Autofahrer nur noch über die rückwärtige Seite – am ehemaligen Zollamt vorbei – erreichbar. Der frühere Kontrollpunkt hieß auf der östlichen Seite Drewitz und auf der westlichen Dreilinden; die US-Alliierten sprachen vom „Checkpoint Bravo“.

Das Mindestgebot bei der Auktion hatte 450 000 Euro betragen. Anfangs bot auch ein Geschäftsmann aus Zehlendorf mit, der seine Nutzungsideen allerdings für sich behält.

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