Stadtgeschichte : Schreckpoint Charlie

Verkehrschaos, Klamauk und ewige Brachen: Der berühmteste Ort des Kalten Kriegs ist peinlich für Berlin. Doch bald könnte sich das ändern.

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Zum 50. Jahrestag der Panzerkonfrontation zwischen Amerikanern und Sowjets wurde im Oktober 2011 eine neue Gedenktafel am Checkpoint Charlie eingeweiht.Weitere Bilder anzeigen
Foto: afp
06.12.2011 15:41Zum 50. Jahrestag der Panzerkonfrontation zwischen Amerikanern und Sowjets wurde im Oktober 2011 eine neue Gedenktafel am...

Der Japaner gerät fast unter ein Taxi, als er das nachgebaute Kontrollhäuschen auf der Mittelinsel der Friedrichstraße fotografiert. Von der anderen Seite her nähert sich ein Franzose ebenfalls unter Lebensgefahr dem Aushang im Fenster der Bude. Der ist vom Januar 2004 und informiert über den Tod von Rainer Hildebrandt, Gründer des Museums am Checkpoint Charlie. Direkt daneben gibt es Gehupe zwischen zwei Touristenbussen und einem Bierbike voll johlender Briten. Aber der Uniformierte auf dem Gehweg greift nicht etwa ein, sondern brüllt „Passport Sale!“ Bei näherem Hinsehen entpuppt er sich als verkleideter Volkspolizist, der Passanten zum Fotografieren auffordert, einmal Posieren zwei Euro. Den unsympathischen Auftritt hat der Vopo mit den Originalen aus DDR-Zeiten gemein, doch sonst könnte er falscher nicht sein – wie so vieles hier.
Wenn in diesen Wochen um den 50. Jahrestag des Mauerbaus die Touristen verschärft die Spuren der Weltgeschichte suchen, finden sie an der Bernauer Straße eine durchaus würdevolle Gedenkstätte, am Brandenburger Tor zumindest auf dessen östlicher Seite den weitgehend autofreien und für Berliner Verhältnisse schon vornehmen Pariser Platz. Am Checkpoint Charlie aber gibt es außer verkleideten Vopos und Soldaten nur Bauchläden mit Russenmützen, Schnellrestaurants und, als einzigen Lichtblick, die historische Fotoausstellung am Zaun, der die Brachen beiderseits der Friedrichstraße umgrenzt.
„This is the most touristic location all over Berlin!“, ruft ein Touristenführer in die Gruppe, die mit offenen Mündern den zu schmalen Gehweg verstopft. Berlins touristischster Ort – er kann Besucher aus unterschiedlichen Gründen erschauern lassen. Doch Besserung ist in Sicht.

Lesen Sie auf Seite 2, welche Pläne es für den Checkpoint Charlie gibt.

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