Stadtgrün : Senat startet Kampagne für neue Straßenbäume

Private Spender sollen helfen, dass es an den Straßen Berlins wieder grüner wird. Am Mittwoch wurde der erste Baum gepflanzt. Ein großer Erfolg der Kampagne könnte allerdings zugleich zum Problem werden.

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Damit Berlin grün bleibt, sollen private Baumspender helfen.
Damit Berlin grün bleibt, sollen private Baumspender helfen.Foto: dapd

Berlin Behaupte niemand, die Berliner Verwaltung würde die Sorgen der Bürger nicht kennen: „Woher weiß ich, dass mein Geld nicht im Verwaltungsapparat versickert oder anderen Zwecken zugeführt wird?“, lautet eine der „häufigen Fragen“ auf einer neuen Internetplattform der Stadtentwicklungsbehörde. Das ist bemerkenswert, weil die Verwaltung sich die „häufigen Fragen“ selbst ausdenken musste. Denn das Portal ist erst an diesem Mittwoch aktiviert worden, während Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) in Hohenschönhausen die Kampagne „Gemeinsam für Stadtbäume“ gestartet hat. Gemeinsam, weil die Verwaltung allein nicht genug Geld hat, um die Kampagne zu bestreiten. Es geht um den Ersatz von mindestens 10 000 Straßenbäumen, die Berlin nach Recherchen des Umweltverbandes BUND allein seit 2005 verloren hat.

Den Premierenbaum an der Große- Leege-Straße ganz im Berliner Nordosten pflanzten also Müller und der Lichtenberger Bezirksbürgermeister Andreas Geisel (SPD) – im Beisein des Pankower Stadtrats Jens-Holger Kirchner (Grüne), dessen Bezirk ebenfalls schon zum Auftakt der Kampagne mit neuen Bäumen bedacht werden soll. Außerdem sind Reinickendorf und Treptow-Köpenick noch in diesem Herbst an der Reihe.

Während die Bäume des ersten Durchgangs bereits finanziert sind, werden für die nächsten Etappen – Pflanzzeit ist jeweils im Frühjahr und Herbst – Spender gesucht, deren Gaben die Verwaltung vom 1. Dezember an entgegennimmt und dann verdoppelt. 1000 Euro kostet ein Baum inklusive Pflege für die ersten drei Jahre. Wer 500 Euro überweist, kann sich den Standort des Baumes aussuchen und wird mit einer Plakette gewürdigt. Geringere Beträge werden so lange angesammelt, bis 500 Euro beisammen sind und wiederum verdoppelt werden können. Den Standort ihres Wunschbaumes können die Spender auch in diesem Fall mitbestimmen. Denn ein mit der Internetseite verbundener Stadtplan zeigt zunächst die infrage kommenden Stellen. Wer weiter hineinzoomt, kann die klaffenden Lücken exakt lokalisieren, also einschließlich Nummer der leeren Baumscheibe und (geplanter) Baumart. Der Spendenaufruf richtet sich ausdrücklich auch an Vereine, Büro- und Hausgemeinschaften. Vattenfall und der Deutsche Franchise-Verband haben nach Auskunft der Verwaltung schon Spenden zugesagt.

Allzu große Resonanz könnte den Senat allerdings in die Bredouille bringen, weil die zunächst im Topf vorhandenen 500 000 Euro dann bald aufgebraucht wären. Womit wieder die Eingangsfrage nach der Zweckentfremdung aktuell wird. Die Spenden „fließen zu 100 Prozent in Baumpflanzungen im Rahmen dieser Initiative“, heißt es in der Antwort. „Eine andere Verwendung ist nicht möglich.“ Auch sind die Spenden nach Auskunft von Müllers Sprecherin Daniela Augenstein steuerlich absetzbar. Möglich also, dass auch der Finanzsenator eines Tages den Effekt der Kampagne zu spüren bekommt. Stefan Jacobs

Alle Informationen online unter www.berlin.de/stadtbaum oder telefonisch unter (030) 9025-1234.

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