Berlin : Stadtkunst

Die Urban-Art-Messe „Stroke“ im Postbahnhof

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Erst zisch, dann wisch. Ein Straßenkünstler beim Live-Painting. Foto: Promo
Erst zisch, dann wisch. Ein Straßenkünstler beim Live-Painting. Foto: Promo

Urban Art – viele denken da vor allem an bunte Graffiti an Hauswänden und riesige kryptische Buchstabenfolgen auf S-Bahnzügen oder im schlimmsten Fall sogar an Vandalismus. Wie vielfältig und ernst zu nehmen die noch relativ junge Kunstrichtung tatsächlich ist, zeigt die „Stroke Artfair 2011“, die von Freitag bis Sonntag zum zweiten Mal in Berlin stattfindet. Auf der Messe im Postbahnhof sind rund 30 Galerien, darunter auch mehrere aus Berlin vertreten, und über hundert Künstler aus aller Welt geben Einblick in ihre Arbeit.

„Für uns bezieht sich Urban Art auf den gesamten Kontext des urbanen Lebens“, sagt der Pankower Initiator Marco Schwalbe, der zusammen mit seinem Bruder Raiko auch schon drei „Stroke“-Messen in München organisiert hat. „Die ganze Bandbreite urbaner Kreativität – Musik, Mode, Werbung, Illustration – vermischt sich schließlich immer mehr mit Kunst“, so der 35-Jährige. Und daher machen Graffiti auf der „Stroke“ auch nur einen kleinen Teil aus: Es gibt grafische Arbeiten, Illustrationen, Comics, Objekt- und Körperkunst und auch klassische Öl- und Acrylarbeiten zu sehen – und zu kaufen: Wer ein Kunstwerk mit urbaner Thematik mit nach Hause nehmen möchte, zahlt dafür zwischen 150 bis zu einige tausend Euro. Neu auf der Messe sind die Schwerpunkte digitale Kunst und Fotografie sowie ein Rückblick auf die Anfänge der Urban Art aus den 70er und 80er Jahren. „Dafür habe ich mir Tags, also Namenskürzel von Graffiti-Künstlern, aus der ganzen Welt schicken lassen“, erzählt Schwalbe.

Doch nicht nur ansehen und eventuell erstehen, auch dabei sein und mitmachen ist angesagt und das in jedem Alter: „Die Besuchergruppen sind sehr heterogen, das Interesse an urbaner Kunst reicht vom Jugendlichen bis zum Senior“, erzählt Schwalbe. Bei Live-Paintings können die Besucher die Künstler im Einsatz mit Pinsel, Dosen, Schablonen und Collage-Techniken erleben und wer sich dann genug abgeschaut hat, kann selbst im „Stroke-Studio“ mit unterschiedlichsten Materialien und Werkzeugen aktiv werden. Außerdem laden mehrere Workshops, etwa in Kalligrafie und Zeichnen, zum Selbstgestalten ein. „Die ganze Messe soll Work in Progress sein“, so Schwalbe. Denn genau wie eine Stadt stünde die Auseinandersetzung mit Urban Art jedem Menschen offen. Eva Kalwa

Postbahnhof, Straße der Pariser Kommune 8, Friedrichshain, Fr/Sa 13–23.30 Uhr, So 13–18 Uh, 8 Euro, Infos: www.stroke-artfair.com

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