Stadtleben : 100 Konzerte in 35 Clubs

Urlaub nehmen, Bands entdecken: In einer Woche beginnt die Popkomm Drei Tage lang macht sie Berlin zur internationalen Musikmetropole

Jan Oberländer

Francis Healy hasst den Berliner Hundedreck so sehr, dass er ihn auch schon mal eigenhändig von der Straße sammelt. Ansonsten fühlt der Schotte sich aber ziemlich wohl in Prenzlauer Berg, wo er seit einigen Monaten mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn wohnt. Berlin meint es gut mit dem Sänger der britischen Rockband Travis („Why Does It Always Rain On Me?“). Die Traumwohnung war innerhalb von zwei Wochen gefunden, der Nachwuchs spricht bereits ein bisschen Deutsch, außerdem werden Healy und seine drei Bandkollegen Headliner eines der größten Konzerte der Musikmesse Popkomm sein. Am 10. Oktober präsentieren Travis im Postbahnhof ihr neues Album „Ode to J Smith“, unterstützt von den Indierockern The Rifles, dem Dresdener Elektropopsextett Polarkreis 18 sowie der Punkband Kilians.

So ist sie, die Popkomm. Hier sind sogar die Vorbands Stars – oder haben zumindest gute Chancen, es zu werden. Für die 400 Künstler, Bands und DJs aus 32 Ländern, die vom 8. bis zum 10. Oktober auf rund 100 Konzerten in 35 Berliner Clubs auftreten, ist das Festival eine besondere Gelegenheit, sich nicht nur dem Berliner Publikum, sondern auch internationalen Agenten, Talentspähern, Konzertveranstaltern und Journalisten zu präsentieren. Die Kultursender ZDF-Theaterkanal und 3sat übertragen am Freitag ein achtstündiges Spezialprogramm.

Tagsüber trifft sich die Fachwelt auf dem Messegelände am Funkturm, um Geschäfte zu machen und auf einem Kongress über die Zukunft der Musikindustrie zu diskutieren. 824 Aussteller sind vertreten, etwas weniger als im vergangenes Jahr. Die Marke von 15 400 Fachbesuchern soll laut Festivalmanager Dirk Schade 2008 wieder erreicht werden.

Die Popkomm ist nun aber nicht nur eine Branchenveranstaltung für Musikfreaks mit ausufernder Plattensammlung. Im Gegenteil, sagt Schade. Man wolle die Leute vielmehr dazu animieren, neue Musik zu entdecken. Eine Altersgrenze nach oben gebe es nicht. Schades Tipp: „Nehmen Sie sich Urlaub und ziehen Sie um die Häuser.“ Ein guter Ausgangspunkt hierfür ist die Kulturbrauerei in der Schönhauser Allee, die gleich acht Konzertlocations bietet.

Noch ein paar Höhepunkte: Am späten Mittwochabend spielen Tomte im Kesselhaus Songs von ihrem neuen Album „Heureka!“, schon ab 19.30 Uhr machen feine deutschsprachige Indiebands wie Sport, Herrenmagazin und Jupiter Jones das Publikum warm. Am gleichen Abend stellen sich im Frannz Club drei Bands aus dem diesjährigen Popkomm-Partnerland Türkei vor. Empfehlenswert besonders die Ska-Rocker von Athena – heißgetanzte Füße garantiert. Und am Donnerstag sollte man den Auftritt des isländischen Pop-Berserkers Mugison im Kulturbrauerei-Palais nicht verpassen.

Mehr Informationen ab Dienstag im Tagesspiegel-Musikmagazin „Break“ oder im Netz unter www.popkomm.de/festival

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