25 Jahre auf der Bühne : Désirée Nick: Bloßstellen, beleidigen, verletzen – aber mit Stil

Zum 25. Bühnenjubiläum würdigt Bernd Matthies Désirée Nick - und die Kleinkunstgöttin sich selbst mit einem Programm in der Bar jeder Vernunft.

Desiree Nick tritt auf in der "Bar jeder Vernunft" in Berlin
Vernunftfrei. Désirée Nick.Foto: dpa

Die Kleinkunstgöttin gab sich vor den Fotografen irdisch verstimmt und verschwand erst einmal nach dem ersten Song. Grund: Das silberne Schild mit der „25“ in der gefälschten Torte fiel immer wieder um – dabei ist es das Wichtigste überhaupt am neuen Programm von Désirée Nick, die sich diesmal kokett zum „Mädchen aus dem Volk“ stilisiert. Denn die Show zum 25. Bühnenjubiläum enthält ansonsten offenbar die hochbewährten Bestandteile jeder Nick-Show; mangels eigener Ansicht müssen wir uns darauf beschränken, die wichtigsten Elemente aus dem Munde der notorischen Zickenkriegerin zu zitieren: „Ich stelle bloß, beleidige, verletze, belästige sexuell, oute, plaudere aus dem Nähkästchen …“ 

Und so weiter und so weiter, all das, was die Fans halt erwarten von der Entertainerin, der es sogar gelang, den sonst allemal zum Abgrund führenden Sieg in der RTL-Dschungelshow als weiteren Karrieresprung zu nutzen. Das Prinzip ihrer Auftritte ist so einfach wie unklar: Unter dem doppelten Boden verbirgt sich allemal ein dritter. Jeder schrill zugespitzten Attacke auf Kollegen folgt abrupt die selbstironische Vollbremsung, jeder Zote ein schillerndes Dementi. Von ihr öffentlich beleidigt werden ist allemal der Beweis, wirklich etwas zu gelten auf dem Boulevard der saisonalen Eitelkeiten. Klar, dass sie das alles in feinster Garderobe absolviert, fein abgestimmt zwischen Revuegirl und entfesselter Gouvernante.

„Schweigen würde ja Zustimmung bedeuten“ ist ihr Leitmotto, und deshalb ist auch in der neuen Show keine ruhige Sekunde zu erwarten, keine verbale Lücke bei dem atemlos dahingelispelten Versuch, Marlene Dietrich, Gisela Schlüter und Edith Hancke in Personalunion zu zwingen – nur eben heutiger, den aktuellen Sitten der Mädchen aus dem Volke angepasst. Volker Sondershausen ist der angemessen leidensfähige Begleiter auf dem Klavier und souveräne Hüter der wackelnden Jubiläumstorte. bm

Bar jeder Vernunft, Schaperstr. 24, Wilmersdorf, vom 3. bis 29. März Di–Sa 20, So 19 Uhr, Karten: 883 15 82, www.bar-jeder-vernunft.de

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