3. Oktober : Deutsche Musik-Elite feiert die Einheit

Die Fantastischen Vier, Silbermond, 2Raumwohnung, und viele mehr treten beim zweitägigen Konzert zum 3. Oktober am Brandenburger Tor in Berlin auf. Die Sängerin von Juli wird es nicht weit nach Hause haben - sie wohnt in Prenzlauer Berg.

Nana heymann

Diesmal wird sie es nicht mehr so weit nach Hause haben. Wenn Eva Briegel, Sängerin der Band Juli, am Mittwoch am Brandenburger Tor aufgetreten ist, kann sie sich einfach in ein Taxi setzen und ist zehn Minuten später in ihrer Wohnung in Prenzlauer Berg. Kein langer Flug mehr, um in den eigenen vier Wänden zur Ruhe zu kommen. Keine anstrengende Fahrt im Tourbus. Seit knapp drei Monaten ist Eva Briegel Berlinerin.

„Ich wollte eigentlich immer nach Berlin ziehen, weil ich die Stadt toll finde. Jetzt hat es endlich geklappt“, sagt die 28-Jährige. Der Umzug von Gießen an die Spree fiel ihr nicht schwer, weil mittlerweile ohnehin ein Großteil ihrer Freunde hier lebt – und ihr Freund, mit dem Briegel seit sieben Jahren liiert ist. Zusammengezogen sind die beiden aber nicht. „Ich brauche meine Rückzugsmöglichkeit, um auch mal ganz für mich zu sein“, sagt Eva Briegel.

Das mit dem Für-sich-sein wird für die Sängerin immer schwieriger. 2004 gelang der Band mit „Perfekte Welle“ der Sommerhit des Jahres, das Debüt-Album „Es wird Juli“ verkaufte sich insgesamt 700 000-mal – ein Erfolg, der bis dahin nur gestandenen Künstlern wie Herbert Grönemeyer oder Marius Müller-Westernhagen vorbehalten war. Für Eva Briegel ein unwirkliches Gefühl: „Ich saß vor dem Fernseher und habe unser Video zwischen all den anderen gesehen, das war ganz eigenartig.“

Auch heute fühlt sich das Starsein für die Sängerin manchmal noch eigenartig an. Vor allem, wenn sie auf der Straße erkannt und um Autogramme gebeten wird. Aber zum Glück geht es diesbezüglich in Berlin entspannter zu. „Die Leute hier sind an Prominente gewöhnt“, sagt Eva Briegel. Für sie ist das beruhigend. Denn obwohl sie auf der Bühne vor tausenden Menschen aus sich herausgehen, eine große Show abziehen kann, ist sie eigentlich ein introvertierter Mensch. Beim Gespräch in einem Büro ihrer Plattenfirma wirkt sie schüchtern, spricht mit Bedacht und ruhiger Stimme. Ganz anders als der Star im Rampenlicht.

Zusätzlich zum Konzert am Mittwoch kann man die Bühnen-Eva auch auf der soeben neu erschienenen Live-DVD „Ein neuer Tag“ erleben. Juli singen da nicht nur Lieder aus dem aktuellen gleichnamigen Album, sondern auch alte Hits wie „Geile Zeit“. Aufgezeichnet wurde die Show in Münster. Nicht weil dort die Fans besonders euphorisch waren, sondern „weil uns dort die Halle so gut gefallen hat“. Einen Unterschied hat die Band aber schon festgestellt: Im Gegensatz zu Hamburg oder Köln ist das Publikum in Kleinstädten wie Münster wesentlich begeisterungsfähiger. Nicht so abgeklärt und cool. Insofern könnte das Konzert vor dem Brandenburger Tor eine echte Herausforderung werden. Bei dem morgen beginnenden zweitägigen Ereignis (siehe nebenstehender Kasten) dürfte es auf dem Pariser Platz wieder eng werden. Dafür hat Eva Briegel als Neu-Berlinerin nun einen kleinen Heimvorteil: Auch ihre Freunde werden zur Show kommen, die Sängerin hat sie alle eingeladen. Darüber hinaus freut sie sich vor allem auf die „Sporties“ – die Sportfreunde Stiller, die ebenso wie die Fantastischen Vier auftreten werden. „Mit denen verstehen wir uns ganz gut, haben uns miteinander angefreundet.“

Auf Freundschaften können Juli am 1. November in München jedoch keine Rücksicht nehmen. Da sind sie für den MTV Europe Music Award in der Kategorie „Best German Act“ nominiert – und treten unter anderem gegen die Sportfreunde an. Große Chancen rechnet sich Eva Briegel aber nicht aus, zumal auch die Berliner Rapper Sido und Bushido nominiert sind. Aber natürlich würde sie sich über die Auszeichnung riesig freuen. Vielleicht sogar noch ein bisschen mehr als über den Bambi, den das Quintett 2006 erhalten hat. Bei dessen Verleihung saß die Band plötzlich zwischen Gästen wie Königin Silvia und „Leuten, die man aus der Gala oder Bunten kennt“. Wieder so ein Erlebnis, das sich für Eva Briegel unwirklich angefühlt hat. Gewöhnen kann sie sich daran noch nicht.

Mit einem zweitägigen Konzert wird am Brandenburger Tor der Tag der Einheit gefeiert. Zunächst dürfen am Dienstag Nachwuchsbands wie Leash aus Berlin oder Tiebreak aus Dresden ran. Am Mittwoch kommt es dann zum Showdown der Popstars: Neben Ich + Ich, 2raumwohnung, Juli und Silbermond mit Sängerin Stefanie Kloß treten auch die Fantastischen Vier und die Sportfreunde Stiller auf. Beginn jeweils 12 Uhr, Eintritt frei.

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