48 Hour Film Project : Die Tempo-Filmer

50 Teams drehen am Wochenende beim "48 Hour Film Project" kurze Streifen im Schnelldurchgang

Eva Kalwa
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Abgedreht. Genau zwei Tage haben die Teilnehmer beim „48 Hour Film Project“ Zeit, um einen kurzen Film zu produzieren. Das Genre...

BerlinNoch sitzen Sebastian Raphael und Frider Helmich ziemlich entspannt im Kino Babylon Mitte. Auf der Leinwand zählt eine große Uhr rückwärts: Es sind noch 50 Minuten und 29 Sekunden bis zum Start. Dann müssen die beiden, wie die anderen Leiter der rund 50 Filmteams, die an diesem Wochenende beim „48 Hour Film Project“ teilnehmen, losspurten. Genau 48 Stunden bleiben ihnen, bis heute, Sonntag 19 um Uhr, die fertigen Filme abgegeben werden müssen.

Das Kurzfilmfestival findet für rund 500 spontan-kreative Regisseure, Schauspieler, Ton- und Kameraleute an diesem Wochenende zum dritten Mal in Berlin statt. In der Jury sitzen unter anderem die Regisseure Hans Weingartner („Die fetten Jahre sind vorbei“) und Jan-Henrik Stahlberg („Muxmäuschenstill“). Am Dienstag und Mittwoch werden die Filme um 19 Uhr im Babylon Mitte gezeigt und die Preisträger bekannt gegeben, auch ein Publikumspreis wird vergeben. Der Gewinnerfilm aus Berlin nimmt am internationalen Finale um den besten „48 Hour Film 2009“ in den USA teil und hat damit unter anderem Chancen auf die Präsentation beim Filmfestival in Cannes 2010.

Im Babylon Mitte haben Sebastian und Frider soeben das Genre für ihren Kurzfilm aus der Lostrommel gezogen – Science-Fiction – und erfahren, dass sie die Textzeile „Oh je, ich hab''s vergessen“, den Charakter Paula oder Paul Hinze, Kontrolleur von Beruf, und einen Werkzeugkoffer als Requisite in ihrem Film unterbringen müssen. Nun geht es von der Verlosung direkt weiter, in einer Kneipe an der Kastanienallee sind der Regisseur und der Tonmann mit dem Rest der Crew verabredet, um mögliche Filmplots zu besprechen. Auch die beiden Schauspieler sind anwesend und tragen ihre Ideen zum ersten Brainstorming und den hitzigen Diskussionen rund um futuristische Bildsprache und Zukunftsthemen bei. Wanda Badwal, 2008 Teilnehmerin von Germany''s Next Topmodel und zuletzt in „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ am Schillertheater zu sehen, sowie Oliver Bokern („Verliebt in Berlin“) haben dabei durchaus ihre eigenen Vorstellungen.

Immer wieder muss sich Sebastian, der in der Nacht das Drehbuch schreiben will, mit einem Taschentuch die Stirn abtupfen, beschwichtigen, einlenken, umdenken. Der 20-jährige frisch gebackene Abiturient ist ein souveräner Teamleiter, mit dem ebenfalls anwesenden Kameramann Hagen Schöne hat er in Bremen schon mehrere kleine Filme gedreht.

Schnitt. Es ist Samstag gegen 13 Uhr. Vor einem großen orangefarbenen Haus in Tiergarten steht Oliver, er wirkt frisch und munter. „Das täuscht“, sagt der 35-jährige Schauspieler. „Bis halb acht morgens haben wir am Drehbuch geschrieben, ich habe drei Stunden geschlafen.“ Den anderen vom Filmteam „Die Lichtwerke“ geht es oben in der großen Altbauwohnung, dem ausgewählten Drehort, nicht viel besser, geschlafen haben alle nicht allzu viel.

„Aber dieser Zeitdruck macht auch den Reiz aus“, lächelt Wanda. Die 24-Jährige sieht mit ihren glatt gestylten dunklen Haaren und dem silberfarbenen Make-up nicht nur ausgeruht, sondern schon sehr futuristisch für die erste Szene aus. Die wird gleich im Flur gedreht, wo Hagen die Kamera und Scheinwerfer aufgebaut hat. Drum herum laufen letzte Vorbereitungen auf Hochtouren. Regisseur und Aufnahmeleiter Sebastian springt als Requisiteur ein und klebt Wanda einen geheimnisvollen „Gefühle-Kontroll-Apparat“ an den Arm.

Als die erste Klappe fällt, beginnt die Science-Fiction-Story rund um Liebe in der Zukunft und den Konflikt zwischen menschlicher Intuition und technischer Allmacht. Wie er ausgeht, steht noch gar nicht fest. Aber bis um 19 Uhr haben „Die Lichtwerke“ ja noch Zeit.Eva Kalwa

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