80. Geburtstag : Rolf Eden: Mann ohne Geheimnisse

Berufsplayboy Rolf Eden wird 80 – trotz unzähliger Affären gab es nie einen Skandal.

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Einmal Cabrio. Hier fährt Eden 2002 vor’m Nachtclub „Big Eden“ vor. Foto: dpa/paZentralbild

Manchmal wirkt das aufregende Leben des Rolf Eden fast schon ein wenig langweilig. Immer nur Frauen, Feiern, Ausfahrten im Rolls-Royce (Winter) oder Rolls-Royce-Cabrio (Sommer), heller Anzug, dazu Champagner zum Nachspülen, daran hat sich augenscheinlich auch zum 80.Geburtstag nichts geändert, den der unermüdliche Selbstdarsteller am heutigen Sonnabend feiert. Immerhin: Seine Dauerfreundin Brigitte, Anfang 30, nennt er die „Liebe seines Lebens“, das wäre früher nicht passiert. Aber auf die Frage, ob er denn unter ihrem Einfluss womöglich zur Monogamie konvertiert sei, antwortet er wie immer: „Monogamie? Was ist das?“

Immerhin lassen die Feierlichkeiten zum Jubiläum vage erkennen, dass der letzte aus der Gilde der Playboys die Nacht nicht mehr grenzenlos zum Tag zu machen wünscht. Die Familie spielt eine große Rolle, er hat sieben Kinder, viele Enkel, der erste Urenkel steht kurz bevor, das geht ihm ans Herz. Der engste Kreis trifft sich also am heutigen Sonnabend ganz bürgerbrav bei den „Stars in Concert“ im Estrel-Hotel, und am Sonntag geht es weiter mit einem Brunch in der Dahlemer „Eierschale“, einem Ereignis, das ebenfalls nicht unbedingt für wilde Ausschweifungen steht.

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Immer Cabrio. Hier fährt Eden in Jung mit einer seiner Schönen vor. Foto: privat


Der Witz im Leben des Eden? Man könnte vermuten, dass da einer, getrieben vom eigenen Klischee, unter äußersten Anstrengungen eine alberne Inszenierung am Leben erhält, obwohl er doch am liebsten am Kamin sitzen, ein Bier trinken und dösen will. Doch diesen Eindruck macht er nie, er kann gar nichts anderes als den Lebemann, und ob es nun 2000 oder 5000 Frauen waren, mag sowieso keiner zählen, er selbst schon gar nicht. Das Schicksal hat ihn offenbar mit einer zum Leben passenden gusseisernen Gesundheit ausgestattet, und auch das in vielen City-Immobilien angelegte Geld scheint trotz Krise immer noch genügend Mehrwert abzuwerfen; monatlich 8000 Euro Alimente wollen verdient sein. Der Kavalier genießt, schweigt und zahlt, hieß es früher, und bald wird, sollte Eden das Zeitliche segnen, keiner mehr da sein, der die jungen Heißsporne an diese Lebensregel erinnert. Muss er also noch eine Weile ran, der Eden.

Ist Rolf Eden der letzte West-Berliner? Eine Art Landowsky fürs Bett, wie da und dort gespottet wurde? Irgendwie passt keine Schublade. Denn obwohl er sich sein Leben lang redlich abgemüht hat, Tabus zu brechen und den Spießern aller Generationen eine lange Nase zu drehen, ist so gar nichts hängen geblieben. Schon rein statistisch hätten Dutzende seiner zahllosen Frauen im Netz der Boulevardpresse hängen bleiben und spektakuläre Enthüllungen verkaufen müssen – nichts. Mieter sind nachtragend, das weiß keiner besser als Artur Brauner, der ja mal eine Zeit lang die andere Hälfte des Ku’damms besessen hat. Eden? Nichts.

Nicht einmal die Tatsache, dass es ein frühes Leben gab, bevor er als mittelloser Musiker die Berliner Szene betrat, hat irgendwelche Biografen auf den Plan gerufen. Man weiß: Als er drei Jahre alt war, emigrierten seine Eltern mit ihm nach Palästina, er wuchs in Haifa auf, bekam eine Tochter, zog 1949 nach Paris und stieg dort 1956 in einen Zug, der ihn nach Berlin brachte. Anfang der Party, Ende der Vergangenheit. Er sagt nix.

Der Rest ist Berliner Geschichte, geschrieben von einem, der an die Stadt glaubte und investierte, als all die anderen flüchteten. Der „Eden Saloon“ in der Damaschkestraße, in dem er große Jazzstars spielen ließ, Old Eden und New Eden und Big Eden – heute würde das Kartellamt gegen einen vorgehen, der das Abtanz- und Abschleppgenre so monopolistisch beherrscht. Alles vorbei? Nicht ganz: „Ich will nachts feiern und süße Frauen kennenlernen.“ Sind ja noch genug da, oder? Bernd Matthies

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