90. Geburtstag : Filmreife Überraschung

Eigentlich hatte der Filmproduzent Artur Brauner gedacht, er ginge zu einer Opernpremiere. Stattdessen fand er sich auf einer Geburtstagsgala wieder – seiner eigenen. Ehefrau Maria hatte die Überraschungsfeier organisiert. Familie und Freunde gratulierten Brauner zu seinem 90. Geburtstag.

Elisabeth Binder
Brauner
Maria Brauner hatte ihren Ehemann Artur zu Mercedes ans Salzufer gelotst, wo schon die Partygäste warteten. -Foto: dpa

Auch mit 90 ist sein Händedruck immer noch fest. Und als zu vorgerückter Stunde die zehnjährigen Enkel Ben und David für Artur Brauner das jiddische Lieblingslied der Familie singen wollten, „Ich hab dich so viel lieb“, da arrangierte er sie erst mal so um sich herum, dass die wartenden Kameras ein gut komponiertes Bild bekamen.

So überrascht, so alt kann einer wie Brauner nicht sein, dass er sich die Fäden aus der Hand nehmen lässt. Eigentlich hatte der Filmproduzent gedacht, es ginge am Abend in eine Opernpremiere. Ehefrau Maria Brauner hatte aber bereits vor Wochen im Namen der Familie heimlich zur Überraschungsgala in die Mercedes- Welt am Salzufer geladen. Sechs Wochen nach dem eigentlichen Geburtstag am 1. August, moderierte die jüngste Tochter, die Produzentin Alice Brauner, den Abend temperamentvoll und charmant. „Wenn Sie sich fragen, warum nicht Barbara Schöneberger hier oben steht, ist die Antwort ganz einfach: Ich koste nichts“.

Das war nicht die einzige Anspielung auf den ausgeprägten Geschäftssinn des Jubilars. Finanzielle Probleme, die vor einiger Zeit Schlagzeilen machten, spielten an diesem Abend aber keine Rolle. Die Reden waren zwar kurz, boten aber genug Platz für Anekdoten. Schauspieler Mario Adorf erzählte von einem Boxkampf, mit dem er zur Unterschrift eines Vertrages gebracht werden sollte. „Die meisten Anekdoten handeln von seiner Schlitzohrigkeit“, sagte er. Regisseur István Szabó erinnerte an einen Abend , bei dem Brauner ganz spontan russische Lieder gesungen und dabei eine „liebevolle, warmherzige, junge Seele“ offenbart hat. Herz-Professor Roland Hetzer genießt die Freundschaft mit Artur Brauner ganz unbeschwert: „Um sein Herz kümmern sich nur schöne Frauen.“ Langzeit-Playboy Rolf Eden, dessen legendäre Disco in einem Haus, das Brauner gehörte, untergebracht war, erinnerte sich, wie er vom Mieter zum Statisten wurde und in „Der Tiger von Eschnapur“ mitmachen durfte.

Ausgelassen getanzt

Die Tische, an denen die Geburtstagsgäste Platz genommen hatten, trugen die Namen von großen Artur-Brauner-Produktionen: „Es geschah am helllichten Tag“, „Es muss nicht immer Kaviar sein“, „Menschen im Hotel“, „Old Shatterhand“. Rings um die Tische hingen Plakate mit Filmtiteln, neben den berühmten Karl-May-Verfilmungen , „Der 20. Juli“, „Die weiße Rose“, „Hitlerjunge Salomon“. Der Ehrentisch, an dem auch „Winnetou“ Pierre Brice und „Ntschotschi“ Marie Versini saßen, erinnerte an den 1947/48 entstandenen Film „Morituri“, über Flucht einer Gruppe jüdischer KZ-Häftlinge. Brauner war schon erwachsen, als in der Pogromnacht die Synagogen in Brand gesetzt wurden, musste vor den einrückenden Deutschen aus seiner Heimatstadt Lodz fliehen.

Ausgelassen tanzten die Gäste den Mitzve-Tanz der guten Taten. „Wir wollen Frieden für alle...“, sang die Band. Auf den Tischen standen Bordeaux und Wodka, es gab Pitas, Falafel, Zander und Schokoladenfontäne. Am Ende bekamen die Gäste, darunter Katja Ebstein, Gudrun Landgrebe, Produzentin Regina Ziegler, Regisseur Wolf Gremm, Hotel-Experte Rudolf Münster, Event-Expertin Isa von Hardenberg, Ambassador-Club-Chefin Mania Feilcke, Hans Wall, der Gratulationsplakate aufgestellt hatte, und Hausherr Walter Müller, der den Mercedes des ersten Bundespräsidenten zur Verfügung stellte, ein Geburtstagsbuch mit Glückwünschen. Darin gratuliert Richard von Weizsäcker Brauner zu seinen „prägenden Beiträgen zur Verständigung und Toleranz zwischen Menschen unterschiedlicher Religionen, Kulturen und Herkunft“.

Maria Brauner, die den Holocaust als katholische Polin getarnt überlebt hatte, wurde viel gelobt und auf einem weißbezogenen Stuhl unter die Tanzenden getragen. Die Band sang „Mazel Tov“.

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