Stadtleben : Abenteuerspielplatz Kreuzberg: Katharina Wackernagels Familiendreh

Eva Kalwa

Ein großes Metallrohr ragt ins Büroloft herein, davor liegt eine Turnmatte. Was aussieht wie ein Abenteuerspielplatz für Erwachsene, ist der Eingang zu Tills neuer Praktikantenberaterfirma. Die läuft recht gut und doch hat Till (Hannes Wegener) einen seltsamen Knoten im Kopf, der ihn immer wieder in Ohnmacht fallen lässt. Ob er vielleicht doch kein so großer Kapitalist ist, wie Till selbst glaubt? Und welche Rolle spielt dabei die dunkelhaarige Sydelia (Katharina Wackernagel) mit ihren aufrührerischen Ideen?

Antworten auf diese Fragen gibt die schräge Komödie „Résiste – Aufstand der Praktikanten“, die im Herbst 2009 ins Kino kommt und zurzeit in einem Loft in der Gneisenaustraße in Kreuzberg gedreht wird. Hier ist viel los, Schauspieler und Crew wuseln umher, Kameramann Matthias Hofmeister prüft wiederholt das Licht, Veit Norek, der Mann für den Ton, lässt noch einmal die „Atmo“ aufnehmen. Mehrfach bittet Aufnahmeleiter Stephan Ryll um Ruhe.

Erst wurde eine Kamerafahrt durch die Büroetage gedreht, in der Schilder wie „Langzeitpraktikanten“ oder „Rechtsberatung“ Tills Klienten den Weg in den nächsten unbezahlten Job weisen. Nun muss Till erneut in Ohnmacht fallen, und Sydelia eilt herbei, um ihm den Kopf zu stützen: Nach zwei Klappen ist die Szene im Kasten. Katharina Wackernagel alias Sydelia ist die Schwester des Regisseurs und Drehbuchautors Jonas Grosch. Auch Mutter und Onkel, die Schauspieler Sabine und Christof Wackernagel, machen mit – wie alle ohne Gage. „Praktikantenausbeutung“ ist das nicht: „Résiste“ ist Groschs Abschlussfilm an der HFF Potsdam-Babelsberg.

Wie arbeitet es sich unter der Regie des eigenen Bruders? „Es macht Spaß und ist nicht kompliziert, denn wir wohnen schon lange in Prenzlauer Berg in einer WG zusammen“, erzählt die 30-jährige Katharina Wackernagel. Dorthin fährt sie jetzt nach Drehschluss noch mit der Maskenbildnerin: Auch nach 24 Drehtagen darf in den gefärbten Haaren kein hellerer Ansatz sichtbar sein.Eva Kalwa

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