Abschlussnacht : Der letzte Abend der Berlinale

Stars und Berlinale-Macher feierten im Borchardt die traditionelle Abschlussnacht – und den Frühling.

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60. Berlinale
Der letzte Abend begann auf dem roten Teppich - und endete im Borchardt. -Foto: ddp

Wie klappte denn das Joggen im eisigen Tiergarten? Renée Zellweger war es wohl leid, solche Fragen zu beantworten, und verließ souverän auf glitzrigen High Heels schreitend als eine der ersten, also noch vor Mitternacht, das Bärendinner im Borchardt. Traditionell lädt Berlinale-Chef Dieter Kosslick nach dem Schlussfilm hierher nicht nur Sieger und Stars ein, sondern auch Mitarbeiter, Gästebetreuer und Sektionschefs wie Alfred Holighaus und Thomas Struck, den Regierenden Bürgermeister, den Chef der Berliner Festspiele Joachim Sartorius, Filmemacher Wim Wenders sowie BMW-Chef Hans-Reiner Schröder als Sponsor.

Doch auf Namedropping kommt es in dieser Nacht nicht mehr an, das Gefühl ist eher familiär und davon geprägt, dass die Berlinale eine Brücke schlägt zwischen eiskaltem Winter und aufkommendem Frühling. Bei Eröffnungs- und Abschlussgala gilt jeweils der Dresscode „Black Tie“, also Smoking, aber während anfangs bei den Damen lange Abendroben das Bild dominierten, reicht am Schluss, an der Schwelle zur Rückkehr in den Alltag, das kleine Schwarze.

Stars am Berlinale-Teppich
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12.02.2010 10:1620.02.2010: Der japanische Regisseur Yoji Yamada und Schauspielerin Sayuri Yoshinaga präsentieren den Abschlussfilm "Otouto"....


Für Klaus Wowereit war die Brücke wichtig, die den chinesischen Eröffnungsfilm und den japanischen Abschlussfilm miteinander verband. Wer in 80 Tagen um die Welt reist, wird kaum so intime Einblicke in die Lebenswelten von Menschen bekommen, wie diejenigen, die in elf Tagen durch 400 Berlinale-Filme reisen. Spät stand noch mitten im Restaurant – hochaufgerichtet und umhüllt von der Aura eines großen Stars – Lisa Lu, die 83-jährige Hauptdarstellerin aus „Apart Together“.

Dass das Festivalprogramm zu finster gewesen sei, wie von Kritikern zum Teil angeprangert, fand Jurychef Werner Herzog gar nicht: „Das Programm hat ja auch eine Krisenstimmung widergespiegelt, die es im letzten Jahr weltweit gegeben hat.“ Bevor er am Sonntag aufbrach, um „sieben oder acht neue Projekte in Angriff zu nehmen“, wiederholte er am Rande des Bärendinners seine tiefe Zufriedenheit über das klare Ergebnis des Festivals und die angenehme Zusammenarbeit innerhalb der Jury.

Bei Zitronengras-Spieß von Wildfang-Gambas und Jakobsmuscheln, Filet vom Havelzander, Pommery und einer trockenen Spätlese von der Mosel feierten an langen Tischen die Gewinner, die bei ihrem Einzug in das Restaurant jeweils mit lautem Applaus begrüßt wurden und fröhlich ihre Bären schwenkten.

Die Preisträger der Berlinale
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20.02.2010 22:22Der Abend beginnt. Die Jury der 60. Internationalen Filmfestspiele Berlin, der Jury-Präsident Werner Herzog (v.l.), die...


Superstar in der internationalen Wirkung war bei der 60. Berlinale kein einzelner Schauspieler, sondern ein Film – Metropolis. Die Bilder vom Brandenburger Tor wurden in der „New York Times“ gedruckt und schafften es auf die Titelseite von „Le Monde“. Die Renaissance Berlins als Filmmetropole hat diese Geburtstags-Berlinale manifestiert, darauf stießen die Berlinale-Macher an.

Für Dieter Kosslick war die Besucherrekordzahl von fast 300 000 Zuschauern „das schönste Geburtstagsgeschenk“. Das zweitschönste hatte ihm Bora Altas gemacht, der Kinderstar aus dem Siegerfilm „Bal“, der auf dem roten Teppich eigens um den „Berlinale-Hug“ bat, die herzliche Umarmung, die, wie der rote Schal, so eine Art Markenzeichen des Festivals geworden ist. Dass menschliche Warmherzigkeit als Gegensatz zur Winterkälte hier zu den Besonderheiten zählt, hob auch Yoji Yamada, der japanische Regisseur des Schlussfilms „About Her Brother“ und Gewinner einer Berlinale Kamera, hervor: „Wir sind tief gerührt davon.“

Babak Najafi, der den mit 50 000 Euro dotierten Preis für den besten Erstlingsfilm bekam, schwärmte, dass er sich für den Rest seines Lebens daran erinnern werde: „Das ist wie eine erste Liebesnacht.“ Elisabeth Binder

 

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