Abwärtstrend : Hoteliers hoffen auf die Feiertage

Die Zahl der Zimmerbuchungen ist zurückgegangen – wenn auch nicht so drastisch wie erwartet. Doch die Branche ist verhalten zuversichtlich, und die Kunden profitieren sogar von der angespannten Lage: In Berlin gibt es im internationalen Vergleich die günstigsten Hotelzimmer.

Bernd Matthies
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Foto: Kai-Uwe Heinrich

BerlinBerlins Hoteliers hoffen auf Ostern - denn das Fest könnte, wenn das Wetter mitspielt, ihre Bilanzen etwas freundlicher gestalten. Willy Weiland, Chef des Intercontinental und Präsident des Hotel- und Gaststättenverbands in Berlin, rechnet für die Feiertage mit einer Auslastung von durchschnittlich etwa 70 Prozent, „damit könnten wir zufrieden sein". Das 1. Quartal 2009 hat zwar die schlimmen Befürchtungen der Branche nicht bestätigt, doch der Abwärtstrend ist unübersehbar. Denn der Erlös pro verfügbarem Zimmer, in der Fachsprache als „RevPAR" bezeichnet, sank im Vergleich zum sehr erfolgreichen 1. Quartal des Vorjahres in der Drei- und Vier-Sterne- Hotellerie um rund sieben, in der Fünf- Sterne-Kategorie sogar um mehr als acht Prozent. Überwiegend lag das, wie Weiland erläuterte, am Verfall der Zimmerraten, die um rund 10 Euro pro Zimmer nachgaben, während die Auslastung mit minus 1,2 Prozent fast konstant blieb. Allerdings hat dieser Vergleich einen Haken, denn Ostern lag 2008 im März, das war günstig für den Tourismus, aber schlecht für das Kongressgeschäft – in der Summe schwer auszurechnen.

Wie immer hoffen die Hoteliers darauf, dass die im internationalen Vergleich weiterhin niedrigen Zimmerpreise in Verbindung mit hoher Qualität spontane Touristen anziehen. Der Vorteil der Stadt liege darin, flüstert man in der Branche, dass sie vom ohnehin niedrigen Preisniveau nicht so tief fallen könne wie London oder New York. Dort sind Fünf- Sterne-Zimmer für die Osterfeiertage gegenwärtig über das wichtige Hotelportal HRS ab etwa 200 Euro zu haben, in Berlin beginnt das Angebot in diesem Marktsegment bei 130 Euro einschließlich Frühstück. Das könnte sich allerdings noch bessern, denn das Gästeverhalten hat sich in der Krise deutlich verändert. Langfristige Reservierungen würden immer seltener, sagt Weiland, „aber dann funkt es plötzlich". Auch beim Blick auf die anstehenden Kongresse gibt er sich verhalten optimistisch. Nennenswerte Stornierungen habe es nicht gegeben.

Die Berliner Mischung von günstigem Bettenpreis bei hohem Standard ist international sehr konkurrenzfähig – daran wird sich auch in den nächsten Jahren nichts ändern. Denn das schon lange bestehende Überangebot an Betten wird durch eine Vielzahl von Neubauprojekten weiterhin steigen. Allein 2008 eröffneten rund zehn neue Hotels mit mehr als 1600 Betten, weitere rund 50 Projekte mit mehr als 11.000 weiteren Betten sind in der Planung. Das betrifft etwa zur Hälfte das gehobene Segment – bemerkenswert sind aber vor allem die Zuwächse im Zwei-Sterne-Sektor. Die Münchener Gesellschaft „Motel One“ entwickelt gegenwärtig vier neue Objekte mit zusammen 1500 Zimmern, „EasyHotels“ arbeiten an zwei Häusern, ein „H2“ der Ramada-Gruppe entsteht am Alexanderplatz, und auch die schon länger etablierten Hostel-Betreiber wie die Meininger-Gruppe sind auf Expansionskurs.

Wie groß das Interesse am Berliner Hotelmarkt ist, zeigt sich auch an den zahlreichen Bewegungen hinter den Kulissen, die vom Gast normalerweise nicht wahrgenommen werden, da die namensgebenden Hotelgruppen fast nie Eigentümer der Gebäude sind. So hat der Immobilienentwickler GBI die Projekte Motel One An der Urania an den Hamburger Lloyd-Fonds und Motel One Bellevue an die AXA- Gruppe weitergegeben.

In der Summe heißt das: Die von Willy Weiland höchst optimistisch ausgegebene Leitlinie von 20 Millionen Übernachtungen im Jahr 2010 wird auf Dauer längst nicht mehr ausreichen, um allen Hotels profitables Wirtschaften zu garantieren. 23, besser 25 Millionen sollten es schon sein bis Mitte des nächsten Jahrzehnts.

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