Ämter nicht in Feierlaune : Erneut Volksfeste verboten

Schluss mit lustig: Das Bezirksamt Spandau hat zwei Volksfeste abgesagt. Allerdings hat das Verbot andere Gründe als beispielsweise in Neukölln, wo es harsche Kritik an der schlechten Qualität mehrerer Straßenfeten gab. Berlins Schausteller sind entsetzt.

Rainer W. During
Volkfest Zentraler Festplatz
Aus die Maus. Schausteller haben's schwer in Berlin. -Foto: dpa

Schlechte Zeiten für Volksfeste in Berlin: Jetzt hat das Bezirksamt Spandau das Oktober- und das Frühlingsfest am Rand der Altstadt verboten – aus Gründen des Lärmschutzes. Außerdem hat der Senat untersagt, vor dem Roten Rathaus und auf dem Flughafengelände in Tempelhof Rummel zu veranstalten. „Wir fühlen uns von den Behörden zunehmend im Stich gelassen“, sagt der Vorsitzende des Schaustellerverbands, Thilo-Harry Wollenschläger.

Wie berichtet, hatte bereits das Neuköllner Bezirksamt die Straßenfeste in der Sonnenallee, der Karl-Marx- und der Hermannstraße untersagt. Dies sind allerdings Veranstaltungen, an denen die Schausteller nicht beteiligt waren, weil es dort vor allem ums Verkaufen ging. Von sich aus gestrichen hatte der Schaustellerverband dafür traditionelle Frühlingsfest auf dem Zentralen Festplatz am Kurt-Schumacher-Damm, weil sich zu wenige Firmen von auswärts beteiligen wollten. Diese werden aber gebraucht, weil sich Berlins Schausteller schon lange nicht mehr leisten können, attraktive - und teure – Fahrgeschäfte zu bauen.

Das Aus in Spandau ist jetzt eine indirekte Folge des seit drei Jahren auf der Zitadelle stattfindenden Musikfestivals. Eine Hausbesitzerin aus dem benachbarten Kolk hatte gegen den Konzertlärm geklagt, vor Gericht wurde ein Vergleich geschlossen. Danach lässt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung im Umfeld nur noch an 18 Tagen pro Jahr „laute“ Veranstaltungen zu, sagt Baustadtrat Carsten-Michael Röding (CDU). Dazu zählt unter anderem auch das an diesem Wochenende stattfindende Havelfest in der Altstadt. Einige geplante Zitadellen-Auftritte von Bands wie Faith No More und Limp Bizkit mussten wegen Überschreitung des „Lärmkontingents“ abgesagt werden.

Lärmmessungen haben ergeben, dass auch die beiden Volksfeste im Kolk einen zu hohen Geräuschpegel verursachen, sagt Röding. Neben einem Fahrgeschäft sei auch der Jubel der Gäste zu laut, sagt Thilo-Harry Wollenschläger und versteht die Welt nicht mehr. „In den 70er Jahren gab es noch eine regelmäßige Kolk-Fete. Da stand der Autoscooter auf einem Parkplatz direkt vor den Wohnhäusern und niemand hat sich daran gestört.“ Auch heute gebe es in anderen deutschen Städten noch viele Rummelplätze, bei denen die Fahrgeschäfte „zehn Zentimeter neben den Gebäuden“ aufgebaut seien.

Spandau und die Schausteller können sich aber nicht auf Ersatzstandorte einigen. „Die Situation ist dramatisch, wir stehen mit dem Rücken zur Wand“, beschreibt der Verbandschef die Situation der Berliner Schausteller. Auch die Zulieferfirmen seien betroffen, es gehe um rund 1000 Arbeitsplätze. Dabei zeigten doch die Besucherzahlen bei den verbleibenden Festen, dass die Menschen gerade in der Wirtschaftsflaute eine Ablenkung suchen, sagt Wollenschläger. So sei die gerade beendete Steglitzer Woche an Sonnentagen ein großer Erfolg gewesen. Jetzt richten sich alle Hoffnungen der Branche auf das Deutsch-Französische Volksfest, das am Freitag auf dem Zentralen Festplatz startet. Wenigstens der soll durch Beseitigung des Erdwalls zum Kurt-Schumacher-Damm attraktiver werden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben