Aidsgala : Lange Nacht in der Oper

Warum einige Gäste zur After-Show-Party der Aidsgala so spät kamen

Elisabeth Binder
Aidsgala
Mit Spaß dabei. Kabarettist Eckart von Hirschausen und Schauspielerin Tina Bordhin. -Foto: dpa

Warum muss nur alles immer so lange dauern? Als die Aidsgala mit eindreiviertelstündiger Verspätung in die Zielgerade ging, waren die Gäste einfach zu ermattet, um sich noch eine Zugabe zu erklatschen, obwohl großartige Solisten wie Daniela Fally und Hui He zuvor Bravo-Rufe geerntet hatten.

Im 15. Jubiläumsjahr zeigte Berlins dienstälteste Charity-Gala mit internationaler Ausstrahlung punktgenau Stärken und Schwächen des Genres. Kurze berührende Momente zu schaffen, ist eine Chance, die diesmal spontan und großartig der Generalmusikdirektor der Staatsoper, Daniel Barenboim, und der bei der Deutschen Oper für die gleiche Position designierte Donald Runnicles ergriffen. Erst spielten sie vierhändig Schubert. Dann gab Barenboim dem Kollegen, den er ausdrücklich nicht als Konkurrenten betrachten will, seine guten Wünsche mit auf den Weg: „Wir werden viele Gelegenheiten haben, weiter zu spielen und weiter zu kooperieren.“

Knapp, pointiert und in einer respektvoll an Loriot orientierten, aber dennoch eigenen Tonlage machte Moderator Max Raabe die „Notwendigen Anmerkungen“ zu den Opernbeispielen. Große Klasse zeigte er ausgerechnet bei einem Patzer. Versehentlich hatte er einen Solisten übersprungen. Unruhe, bis der Dirigent ihn unterbrach. Die Entschuldigung kam souverän: „Das ist ein Reflex bei mir. Wenn die Leute klatschen, komme ich raus und sage was.“ Gelächter, Feuerprobe bestanden.

Warum nun kamen Gäste wie Eckart von Hirschhausen und Elvira Bach erst am frühen Morgen dazu, selber auf der Bühne zu tanzen? Da sind wir schon bei den Schwächen. Wie viele Reden es letztlich waren, in denen Menschenfreunde ihre Herzensgüte am Beispiel Aids zur Schau stellten, lässt sich kaum noch sagen. Allein das Programmheft enthielt zwölf Grußworte. Ein Düsseldorfer Modeunternehmer, dann zwei hohe Herren jeweils von Mercedes Benz und dem Verband der Privaten Krankenversicherung, die immerhin Schecks in Höhe von insgesamt 250 000 Euro überreichten, redeten. Dann kam noch der Papa von Uma Thurman, der als Freund des Dalai Lama vorgestellt wurde und so viel auf dem Herzen hatte, dass er die Bühne kaum wieder freigeben wollte. Natürlich hätte die Begum Aga Khan ihre Dankbarkeit dafür, dass sie so oft „Eure Hoheit“ genannt wurde, mit einem kürzeren Beitrag zum Ausdruck bringen können. Tat sie aber nicht.

Strenge Moderatoren braucht das Land! Und Zeitschecks! Auf denen sollte stehen: „Ich bin ein guter Mensch und rede heute nicht.“ Die dürften Sponsoren jeweils zehn Sekunden dem Publikum entgegenhalten. So könnten sich alle konzentriert an den Arien freuen und müssten nicht so lange auf die Party warten. Dann würde der Wust der wohltätigen Worte nicht so leicht die wesentliche Botschaft des Abends überdecken: Aidskranken kann und muss geholfen werden. Überall auf der Welt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben