Aktion "Gesicht zeigen!" : Bloß nicht politisch korrekt

„Neonazis sind ja von Haus aus blöde“, verkündet Jörg Thadeusz mit Inbrunst. Wenn aber der Moderator und Schriftsteller erst mal richtig loslegt, fallen ihm noch weit interessantere Schmähungen ein.

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Jörg Thadeusz

„Diese komplett lieblose Einstellung zum Leben, die die haben, wird ja direkt aus den Gedärmen in den Kopf gespült.“ Bei so viel Rage kein Wunder, dass sich Thadeusz seit drei Jahren gegen Rassismus engagiert – im Verein „Gesicht zeigen“: „Immer, wenn es wieder was wegzumoderieren gibt für die, dann mache ich das auf Zuruf.“ Und jetzt, in den „Aktionswochen gegen Rassismus 2009“, ist es wieder so weit: An diesem Montag führt Thadeusz in der Bar jeder Vernunft durch den Kabarettabend „Korrektur lesen“, den der Verein „Gesicht zeigen“ organisiert hat. Sein Ziel: „Ich will keinen schwülstigen Bono-haften Appell an das Gute loswerden, sondern mit einer musikalischen Groteske einen roten Faden durch den Abend ziehen.“ Titel der Groteske ist „Ein Nazi zum Verlieben“ – ein „modernes Märchen mit romantischen Liedern“ von Mark Scheibe. Zwischen den Kapiteln treten Kirsten Fuchs, Horst Evers, Florian Schröder und Oliver Polak auf. Polak hat das Buch „Ich darf das, ich bin Jude“ geschrieben und macht „Witze, bei denen ich zusammenzucke“, sagt Thadeuz. Etwa wenn Polak erzählt, wie ihn seine Mutter als Teenager „im Mercedes deportiert hat“. Thadeusz findet es gut, dass damit „den Leuten der Pinn aus dem Hintern gezogen und ihre verkrampfte Haltung gelockert wird.“ Übertriebene politische Korrektheit mache ihn „außerordentlich schlecht gelaunt“. Schließlich sei das Ziel klar: Eine Minderheit sei erst dann akzeptiert, wenn man freundliche Witze und Kritik über ihre Angehörigen aussprechen dürfe – ohne innere oder äußere Zensur. „Tiere und Kinder ausgenommen.“ dma

Bar jeder Vernunft, Schaperstraße 24, Montag, 20 Uhr, Karten für 20 Euro unter Tel. 883 1582

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