Alexander Marcus : Schlager reloaded

Alexander Marcus kombiniert Folklore mit Elektro. Seine neue CD stellt er jetzt im Postbahnhof vor.

Nana Heymann
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Foto: Uwe Steinert

Die Frage nach der korrekten Anrede wird gleich zu Beginn geklärt. Alexander oder Felix? „Alexander“, sagt der Mann mit der Ray-Ban-Sonnenbrille und dem rosafarbenen Jacket. „Ich bin Alexander Marcus.“ Ein breites Grinsen lässt überweiße Zähne in einem ebenmäßig gebräunten Gesicht aufblitzen. Die schwarzen Haare sind mit Gel aus der Stirn frisiert. Eine dicke Uhr ziert das Gelenk der Hand, die einem zur Begrüßung entgegengestreckt wird. So sieht der neue Star der Berliner Musikszene aus, das künstlerische Alter Ego des Musikproduzenten Felix Rennefeld.

Dass ein Mann mit ästhetisch fragwürdigem Klamottengeschmack derzeit bei Studenten, Mallorca-Urlaubern und sogenanntem Szenevolk gleichermaßen beliebt ist, hat einen Grund: Er versucht, zwei Musikstile miteinander zu versöhnen, die als unversöhnlich galten – Volksmusik und Elektro. Gerade hat Alexander Marcus sein zweites Album „Mega“ veröffentlicht, das er heute Abend im Postbahnhof vorstellt.

Der Aufstieg des Sängers von einer belächelten Witzfigur zum gefeierten Künstler begann vor knapp zwei Jahren. Damals stellte Alexander Marcus seine ersten, selbst gedrehten Videos auf die Internetplattform „Youtube“. Darin sieht man ihn wahlweise in König-Ludwig-Outfits ungelenk Breakdance tanzen, in einem Porsche übergewichtige Damen aufreißen oder in Nahaufnahme mit einem dünnen Haarflaum auf der Oberlippe durchs Wasser schwimmen. Mit einem Dauergrinsen besingt er eine heile Welt. Die Clips sind in ihrer Absurdität schon wieder so genial, dass sie hunderttausendfach angeklickt wurden, bis heute zum Teil über zwei Millionen Mal.

„Es hat eine Weile gedauert, bis die Leute auf meine Musik angesprungen sind“, sagt Alexander Marcus. Anfangs gab es sogar beleidigende E-Mails. Aus Unverständnis, wie der Sänger vermutet. Dass jemand Schlager und elektronische Musik miteinander verbindet, fanden viele offenbar unerhört. Nicht so die Betreiber des Hamburger Labels Kontor, bei denen auch Scooter unter Vertrag sind. Sie veröffentlichten im vergangenen Jahr Alexander Marcus’ Debütalbum „Electrolore“. So bezeichnet der Sänger seinen Musikstil.

Der Produzent Felix Rennefeld, 29, begründet die Verbindung der Genres mit seiner eigenen Biografie. Geboren wurde er in Berlin, aufgewachsen ist er aber bei seiner Großmutter in der bayrischen Provinz. Sie habe ihn an den Schlager herangeführt. An Melodien, die jeder Mitsingen kann. Als er später mit 18 in die USA zog, wo er als Kellner und Tennislehrer jobbte, entdeckte er House, Techno und Hip-Hop für sich. All das versuchte er miteinander zu verbinden, als er 2005 nach Berlin zurückkehrte. Hier, in einer kleinen Wohnung in Charlottenburg, begann er, an seiner Musikkarriere zu arbeiten.

„Mein Interesse ist nicht ironisch“, betont Alexander Marcus. „Ich verarsche den Schlager nicht, was ich mache, ist ernsthaft.“ So ernsthaft, dass inzwischen gestandene Rapper mit ihm zusammenarbeiten wollen. „Sei kein Frosch“ heißt ein Stück, das der Sänger mit Rapper B-Tight aufgenommen hat. Der Titel scheint Alexander Marcus’ musikalisches Motto zu sein.
Postbahnhof, Straße der Pariser Kommune 8. Beginn: 22 Uhr, Tickets: 13 Euro

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