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Alleinerziehende Mutter : Solo für drei

Vater, Mutter, Kind: So hatte sie sich ihre Zukunft immer vorgestellt. Es kam anders. Izabela Granz ist alleinerziehende Mutter einer Tochter und eines Sohns. Und lernt leben außerhalb der Familiennorm. Eine Herausforderung – gerade vor Weihnachten.

Verena Friederike Hasel
Granz
Lernprozess im Kinderzimmer. Izabela Granz mit der vierjährigen Eliza und dem siebenjährigen Ruben.Foto: David Heerde

Fragt man Izabela Granz nach ihrem Tag, dann wird sie vom Motiv des Sees in Theodors Fontanes Stechlin erzählen und von der Darstellung der Johanna von Orleans, beiläufig wird sie Tizian erwähnen, ihre wohlmanikürten Hände werden durch einen Bildband fliegen, und sie wird ganz wie eine wirken, die das Leben kaum angefasst hat. Es ist nur, als sie das Wort Diskurs sagt, mit Zögern und einem kleinen Spott, dass man ahnt, dass sie auch anderes kennt als ein Leben für die Kunst.

Bananen, sagt ihr Sohn, wenn sie an einer Kirche vorbeikommen. Wollen wir nicht schauen, ob sie Bananen haben? Mehrmals schon hat Izabela Granz ihm zu erklären versucht, dass eine Kirche kein Lebensmittellager ist. Doch seit sie 2005 immer wieder dienstags zur Essensausgabe der Trinitatiskirche in Charlottenburg gingen, ist das seine Assoziation: Kirche gleich Bananen.

Izabela Granz, 32, ist die Person, die wir alle kennen, hoch und runter ist sie in den Medien beschrieben worden. Polin ist sie, alleinerziehende Mutter von zweien noch dazu, studiert Kunstgeschichte und hat im Monat nur 1400 Euro, um sich und die Kinder durchzubringen. Izabela Granz lebt so, wie wir es alle fürchten, wenn wir vom sozialen Abstieg reden, und doch kommt sie in all den Geschichten von Not und Armut nicht vor.

„Kommen Sie vorbei“, hat sie am Telefon gesagt. „Kommen Sie vorbei und verbringen Sie einen Nachmittag mit uns, dann können Sie sehen.“ Dass sie diese Formulierung mit Bedacht gewählt, wohlweislich von „sehen“ und nicht von „unterhalten“ gesprochen hat, merkt man, als man bei ihr sitzt. „Ich kam 1999 aus einem kleinen Ort nahe Krakau nach Berlin, um hier zu studieren“, fängt Izabela Granz an, „Mama, ich will auch Kuchen“, sagt Ruben, sieben Jahre. „Dann möchte ich, dass du dir einen Teller holst“, sagt Izabela Granz, Ruben schüttelt den Kopf. „Dann gibt es keinen Kuchen“, sagt sie, nun steht Ruben doch auf und geht Richtung Küche. „Ich hatte damals nur zwei Koffer dabei“, fährt Izabela Granz fort, „einer war voller Kleidung und der andere voll mit Büchern.“

„Mama, holst du mir die Spieltruhe vom Schrank?“, fragt Eliza, vier Jahre alt. „Erst räumst du die anderen Sachen wieder ein“, sagt Izabela Granz zur Tochter gewandt und dann zum Besucher: „Ich hatte meine ganzen Gedichtbände mitgenommen.“ Weiter wird sie ihren Koffer nicht mehr in Gedanken auspacken an diesem Tag, stattdessen wird sie Anfragen nach einem Salamibrot (Ruben), Batterien (Eliza), Kakao (Ruben) und Nuckelflasche (Eliza) beantworten. Sie wird vertrösten, entweder ein wenig (Salamibrot und Kakao gibt es erst später) oder mehr (Batterien gibt es morgen) oder ganz ausschlagen (Nuckelflasche gibt es gar nicht mehr), Eliza wird weinen und sich unter dem Bett verkriechen, wegen der Flasche, und weil sie die Mutter nicht teilen will mit einem dahergelaufenen Besucher, überhaupt mit gar niemandem auf der Welt. Und Izabela Granz wird die Gedichte vergessen haben und nach dem tränennassen Bündel unter dem Bett spähen. „Eliza, komm doch raus, lass uns reden.“

„Italien – den Horizont erweitern“ steht auf der Postkarte, die innen an der Badezimmertür hängt. Das also sieht Izabela Granz in den ruhigen Momenten ihres Lebens, hier hinein kommt sie und riegelt die Tür zu, wenn sie allein sein will. Viel Platz ist in der Wohnung im nördlichen Charlottenburg nicht, zwei Zimmer sind es, ein größeres, das Kinderzimmer, mit Esstisch und hohen Fenstern offensichtliches Zentrum der Wohnung, ein kleines daneben, das Granz nicht einmal „mein Zimmer“ nennt, sondern nur „das Zimmer mit der Matratze auf dem Boden“. Ins Badezimmer also, um sich zu sammeln. Für Italien hat das Geld dieses Jahr nicht gereicht, dafür war Izabela Granz mit den Kindern in Zakopane, der südlichsten Stadt Polens.

Unter der Postkarte an der Badezimmertür hängt ein handschriftlicher Zettel: Nimm die Emotion raus. Izabela Granz ist seit drei Jahren vom Vater der Kinder geschieden, sie hat das alleinige Sorgerecht. Welche Tage Eliza und Ruben bei ihrem Vater verbringen, ist festgelegt, ebenso die Uhrzeiten, „am Samstag ist um 18 Uhr Übergabe“, sagt Izabela Granz, und dass sie diesen Ausdruck wählt, obwohl Worte des Gefühls wie Adieu viel besser zu ihr passen würden, ist wohl Teil des Versuchs, den Ratschlag auf dem Zettel zu befolgen: Versachlichen, was man kann, Reibungsfläche minimieren, wo man kann. Leicht kann die Trennung vom Mann nicht gewesen sein, Granz hält das Thema von sich weg. Betont dafür den Aufgabencharakter von Schmerz, spricht davon, dass sie etwas lernen musste, vor allem diesen Gedanken ganz am Anfang – dass sie nicht Vater, Mutter, Kind sein würden, wie sie es sich immer vorgestellt hatte, sondern etwas anderes, das sie selbst erfinden müsste. Dass der Lernprozess, von dem sie spricht, mehr ist als die Floskel einer durchpsychologisierten Welt, sieht man daran, dass sie sich ein regelrechtes Programm zusammengestellt hat, eine Art Lebensschule: Drei Jahre lang hat sie einen Erziehungskurs der Caritas besucht, einmal pro Woche geht sie zu einem Treffen des Vereins alleinerziehender Mütter und Väter. Neulich ist sie mit den anderen übers Wochenende weggefahren, und sie haben darüber gesprochen, wie man sich über das Din-Modell der Familie hinausdenken kann. Das brauche sie auch, sagt Granz, um ihr Selbstbild auszubalancieren nach all den Medienberichten, in dem das Wort „alleinerziehend“ ein Synonym für „scheitern“ ist.

Bis auf Izabela Granzens Stimme ist es nun still im Zimmer. Eliza sitzt auf dem Boden und zieht ihren Strumpf hingebungsvoll an und aus, Ruben hat Filzstifte in der Hand und malt in sein Dinosaurierbuch. Izabela Granz strafft sich ein wenig. „Das geht nicht wieder weg, Ruben“, sagt sie und fügt dann hinzu: „Aber es ist dein Buch.“

Ihre eigenen Bücher, die Bildbände, die sie braucht als Studentin der Kunstgeschichte, hat sie über ein Antiquariat bestellt, sonst wären sie zu teuer gewesen. Durch die Kinder hat sich das Studium in die Länge gezogen, sie hat den Teilzeitmodus gewählt, das heißt, die Inhalte von einem Semester auf zwei verteilt, Seminare nur am Vormittag. Neulich schaffte sie es am Morgen nicht pünktlich zum Kurs, „Du bist zu spät“, sagte der Professor, „wir reden gerade darüber, ob die Malerei oder die Musik die größere Kunst ist.“ Was sie denn meine, und Granz, die vom Kindergarten in die Uni gehetzt war, nachdem Eliza sich nicht von ihr hatte trennen wollen, platzte heraus: „Es ist die Liebe, sie ist die größte von allen.“ Im nächsten Jahr wird Izabela Granz ihre Diplomarbeit schreiben, als Thema hat sie sich die Architektur Otto Spaldings ausgesucht, er hat in Berlin-Charlottenburg das „Wohnheim für ledige Postbeamtinnen“ gebaut.

Das Gestell der Brille von Izabela Granz, schwarz und intellektuell, hat einen Euro gekostet, den Pulli, schwarz und elegant, hat ihr eine Freundin vermacht. Wovon sie lebt: Der Exmann zahlt 600 Euro Unterhalt für die Kinder und 500 Euro für sie, dazu gibt es 300 Euro Kindergeld, das sind 1400 Euro im Monat oder auch: 47 Euro am Tag. Izabela Granz hat ein Kochbuch, daraus würde ein einziges Gericht diese Summe kosten. Sie liest trotzdem darin und macht die vereinfachten Varianten, Nudeln mit fünf Shrimps zum Beispiel, Zitrone und Schnittlauch. Wenn das Geld knapp wird am Monatsende, geht sie zu Aldi, kauft ein Huhn, dazu Nudeln, Karotten, und macht eine Suppe. Fertigessen bekamen ihre Kinder noch nie. Im Kindergarten lernt Eliza Trampolinspringen, Ruben spielt in der Theatergruppe der Schule mit, und jeden Januar kauft Izabela Granz einen Familienpass. Er kostet acht Euro, mit ihm können sie umsonst ins Planetarium gehen, das gefällt Ruben, und in den Ferien, wenn andere am Meer sind, gratis ins Schwimmbad, das mag Eliza. Was Izabela Granz selbst mag: an einem Freitagabend, wenn die Kinder beim Vater sind, mit einer Freundin in die Oranienburger Straße gehen. Gegenüber vom Kosmetikstudio – Grundbehandlung à 49 Euro – und der Boutique – brauner Kaschmirschal mit Tüll zu 135 Euro – gibt es Rigatoni mit Lachs zum Mitnehmen für 3 Euro, damit gehen sie dann im Monbijoupark flanieren. Und am Samstagmorgen treffen sie sich zum Brunch, in dem Café am Winterfeldtplatz, wo es das „Not very hungry“-Frühstücksangebot für etwa zwei Euro gibt. Und manchmal, zwei, drei Male im Jahr geht Izabela Granz auch in die Philharmonie, in die letzte Reihe, „aber was macht das schon, ich schließe eh die Augen“, sagt sie.

Ist das nicht Aschenputtelei und Armutsromantik, packt sie denn nie die Wut? Izabela Granz kann mit der Frage nicht viel anfangen. „Ich bin ein Mensch wie jeder andere auch“, sagt sie. Doch vielleicht nicht ganz: Beim zweiten Besuch ist der Zettel an der Badezimmertür ausgetauscht, „Ich bin selbst der oberste Richter meiner eigenen Persönlichkeit“, steht nun da, die Gründe sind sehr persönlich, aber ja, sagt Izabela Granz, sie müsse Selbstbewusstsein lernen. Wer sie also ist: ein Mensch, der nicht aufhört, sich selbst zu erziehen, der auch davon überzeugt ist, dass Erziehung eine Aufgabe ist, die man lernen kann, der Netzwerke formt – wie mit der Freundin, der sie bei Hausarbeiten für die Uni hilft, weil sie besser formulieren kann, und die dafür babysittet.

Ruben hat sich zu Eliza auf den Boden gesetzt, er legt aus Steinen einen Skorpion, „Schau mal, ich habe aus Klötzen Kunst gemacht“, sagt er, und Izabela Granz geht in die Küche, den Fotoapparat holen, und diesen Satz, den ihr Sohn da gesagt hat, will sie sich auch merken, so schön findet sie ihn. Vielleicht ist es auch diese Eigenschaft von Izabela Granz, die sie immer wieder rettet – dass sie stets gewillt ist, Poesie zu entdecken, etwas zu finden, das nicht mehr wehtut, die Dinge auf eine andere Ebene zu heben.

Zum Beispiel so: Was, wenn das Kaufhaus ein Museum wäre? Dann würde man hingehen, sich umschauen und wieder gehen. So macht es Izabela Granz mit ihrem Sohn, der sich sehnlichst einen Powerranger wünscht. Schon 13 Mal sind sie hinein ins Geschäft, haben die Spielzeugfigur bewundert, dann sind sie gegangen. Bislang hat ihre Vereinbarung, dass sie nur sehen und nicht kaufen, geklappt. Jetzt kurz vor Weihnachten wird es schwerer, und Izabela Granz hofft, dass sie das Kunstwerk in diesen Tagen für ihren Sohn nach Hause holen kann.

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