Stadtleben : Alleinunterhalter

Will Smith stellte in Berlin seinen Endzeit-Film „I am Legend“ vor. Und machte, was er am besten kann: andere zum Lachen bringen

Sebastian Leber

Das wäre doch mal eine Aufgabe: Will Smith in einem Moment zu erwischen, in dem er nicht saukomisch ist. Gestern hätte man darauf jedenfalls vergeblich gewartet: Abends blödelte er im Cinestar am Potsdamer Platz herum, stimmte auf der Bühne ein irres Gebrüll an, nur um dann erschrocken nach dem Sicherheitsdienst zu rufen, weil im Publikum einer zu klatschen gewagt hatte.

Noch amüsanter war der Hollywoodstar Stunden vor der Kinopremiere nebenan im Ritz-Carlton gewesen, auf der offiziellen Pressekonferenz zu seinem neuen Streifen „I am Legend“. Da klaute er auf dem Podium seinem Nebenmann das Wasser, versuchte Journalistinnen Telefonnummern zu entlocken. Und nahm plötzlich beschämt den Kaugummi aus seinem Mund, um ihn vor allen Leuten an den Mikrofonständer zu kleben. Das müsse er tun, sagte der 39-Jährige. Seine Mutter habe ihm befohlen, während Interviews niemals Kaugummis im Mund zu behalten. „Sie hasst das.“ Dafür gab es Szenenapplaus. Für so eine hohe Gagdichte muss man woanders Eintritt bezahlen.

Will Smith hatte auch allen Grund zur Ausgelassenheit. In den USA spielte „I am Legend“ in nur drei Wochen 220 Millionen Dollar ein, am Donnerstag läuft der Film nun in Deutschland an und wird wohl auch hier ein Kassenhit. Smith mimt darin einen Wissenschaftler, der als vermutlich einziger Mensch auf der Welt eine tödliche Virusepidemie überlebt und nun alleine im menschenleeren New York zurechtkommen muss. Was umso schwieriger ist, weil nachts Zombies durch die Stadt streunen auf der Suche nach Frischfleisch. Regie führte Francis Lawrence, das Drehbuch schrieb Akiva Goldsman, der bereits für „A Beautiful Mind“ den Oscar bekam. Beide hatte Smith als Verstärkung mit nach Berlin gebracht, doch sie waren nur Statisten: Auf der Pressekonferenz im Ritz blieb ihnen angesichts von Smiths Sprech- und Scherzdrang nichts anderes übrig, als gemeinsam mit den anwesenden Journalisten über jeden Gag mitzulachen.

Immerhin erfuhr man Interessantes von den Dreharbeiten in New York. Bei denen habe er sich nicht nur Freunde gemacht, erzählte Smith. Weil das Filmteam möglichst sparsam mit Spezialeffekten umgehen wollte, habe man täglich mehrere Häuserblöcke in Manhattan abgeriegelt, um die Kulisse einer verlassenen Katastrophenstadt zu erschaffen. Das ärgerte natürlich die Anwohner – selten habe er so viele Mittelfinger in so kurzer Zeit gesehen. „Und alle zeigten in meine Richtung.“ Apropos Spezialeffekte: Die Bauchmuskeln im Film seien übrigens auch echt gewesen. Und das angegraute Haar? „Kein Kommentar.“ Und ein breites Grinsen.

Dann wollte der Schauspieler noch etwas richtigstellen, gerade hier in Berlin. Seit Dezember kursiert das Gerücht, er habe in einem Interview behauptet, dass kein Mensch böse geboren werde. Nicht einmal Hitler. „Das Zitat ist falsch“, betonte Smith. „Ich würde so etwas nie von mir geben, weil ich weder so denke noch so fühle.“ Auch seine Familie sei bestürzt, dass sich das falsch wiedergegebene Interview trotz Richtigstellung des verantwortlichen Redakteurs im Internet weiterverbreite. „Mein Sohn nennt das Zitat nur: Die Lüge, die unser Weihnachtsfest ruiniert hat“. Und Smith hatte noch etwas politisches zu sagen: dass nämlich Barack Obama ein sehr guter US-Präsident wäre. „Ich liebe ihn und unterstütze ihn. Seinen Hintergrund, seine Familie, die Dinge, für die er steht. Er wäre die perfekte Wahl.“ Das war dann aber genug der ernsten Worte. Smith stand auf, kletterte runter zu den vorderen Stuhlreihen, hielt einer Journalistin das Mikrofon, ließ sich mit einem anderen fotografieren. Und als zwischendrin das Handy der Filmverleih-Mitarbeiterin klingelte, raunzte er sie an, wie fürchterlich unprofessionell sie doch sei. Und schaute todernst und genervt. Aber nur für eine Sekunde. War doch nur Spaß.

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