Alles Gute : Ein Online-Magazin nur für positive Nachrichten

Silvia Meixner hat ein Online-Magazin gegründet, das nach der Devise "Klick dich froh!" funktioniert. Unangenehme Neuigkeiten werden aussortiert.

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Beste Laune. In Silvia Meixners Internetmagazin haben schlechte Nachrichten keinen Platz. Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Beste Laune. In Silvia Meixners Internetmagazin haben schlechte Nachrichten keinen Platz. Foto: Doris Spiekermann-Klaas

In Stockholm gibt es Knäckebröd. Viagra erfreut nicht nur Männer, sondern auch Schnittblumen. Yoga ist super. Aber den „Esoterik-Bohei, der darum veranstaltet wird“ – den mag Silvia Meixner nicht. Und Bundestrainer „Jogi Löw“ findet sie nicht besonders „sexy“. Seinen berühmten Kaschmirpullover aber schon eher.

Dieses Informationsallerlei finden Leser auf der Seite des Internetmagazins „good-stories.de“. Und die meisten Texte dort schreibt Silvia Meixner, Gründerin und Chefredakteurin des Online-Magazins. Sie redigiert, organisiert und setzt die Artikel ins Internet. Die Redaktion ist ihre Wohnung in Schöneberg. „Klick dich froh“ steht auf ihrer Visitenkarte. Die überreicht sie unterwegs oft irgendwelchen Leuten, um Leser zu gewinnen.

Die 43-Jährige legt den Kopf schief und sagt: „Medien neigen ja sonst dazu, nur ’bad news’ als ’good news’ zu betrachten. Meine Idee war, dass ein Mensch auf die Internetseite geht und lächelt.“ Positive und gleichzeitig gut erzählte Geschichten – das sei ihr Konzept für das Online-Magazin. Und „eine der letzten kleinen Marktlücken“ gewesen. Vor einem Jahr erschien der erste Artikel. „Und dann sitzt man da und hat keine Leser.“ Heute ist das anders: 3000 Klicks verzeichne „good-stories.de“ jeden Tag. Zwischen acht Rubriken kann der Leser wählen, etwa Politik & Wirtschaft, Feuilleton, Panorama, Reisen, Wissenschaft, Sport. „Ich bin eine bekennende Optimistin, aber keine Traumtänzerin“, sagt die Journalistin. Aber manchmal erlaubt sie sich einen Tagtraum: „Schön wäre es, wenn ein Verlag einstiege und sich Sponsoren fänden.“ Auf einmal geht es richtig mit ihr durch: „Und in zehn Jahren gibt es eine indische und eine chinesische Version im Internet. Dazu ein Printmagazin, einen Fernseh- und einen Radiosender. Und wenn es richtig gut läuft, auch noch eine Tageszeitung.“ Dann lacht sie und sagt, dass sie eigentlich gar keinen Wert auf Reichtum lege.

Das ist auch ganz gut, denn bislang hat sie mit ihrer Idee noch kein Geld verdient. Ihre sieben freien Mitarbeiter liefern Texte, für die sie keine Honorare erwarten. Silvia Meixner selbst schreibt tagsüber für verschiedene Zeitungen und Magazine. Damit bestreitet die Journalistin ihren Lebensunterhalt. Nachts arbeitet sie an ihrem Online-Magazin. Aber jetzt beginnt der Fleiß sich endlich bezahlt zu machen: Der Lübbe-Verlag ist auf die Geschichtenerzählerin aufmerksam geworden und hat ein „Jahrbuch der guten Nachrichten“ bei ihr bestellt. Anfang 2011 soll es erscheinen.

Daran schreibt Silvia Meixner jetzt auch noch, gemeinsam mit einer Kollegin. Kein Problem, denn im Schreiben hat sie genug Erfahrung: Seit 20 Jahren arbeitet sie als Journalistin. Lange war sie bei der Zeitung „Die Welt“ fürs Vermischte aus aller Welt zuständig. Und auch ihr Online-Magazin ähnelt nun etwas einer „Vermischten-Seite“. Doch sie selbst nennt ihr Projekt: „Eine kleine journalistische Oase des Schönen.“ Vor allem ist es eine Online-Oase. Und die gefällt ihr im Vergleich zu ihrer Print -Arbeit immer besser: „Es ist schön, wenn man nur auf ’Publish’ drücken muss und die ganze Welt es gleich lesen kann.“ Sie darf nur nicht vergessen, was sie meistens tut: Die Artikel mit dem Blog „Achgut“ des bekannten Journalisten Henryk Broder zu verlinken. Denn dieser Link basiert auf Gegenseitigkeit – das bringt Klicks. Und die machen froh. Daniela Martens

Die guten Nachrichten im Internet: www.good-stories.de

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