Anti-Kapitalismus-Party : Keine Angst vorm Geld

Feiern trotz Finanzkrise: Maler Jim Avignon besucht seine alte Heimat Berlin. Im Haus Schwarzenberg lädt er Sonnabend zur Anti-Kapitalismus-Party.

Johanna Lühr
Avignon
Obwohl Maler und Musiker Jim Avignon jetzt in New York lebt, kommt er regelmäßig zum Partymachen nach Berlin und teilt das...Foto: dpa.

BerlinDer Titel passt besser denn je. „Who is afraid of friendly Capitalism?“ – wer hat Angst vor freundlichem Kapitalismus –, heißt die Party der Künstler Jim Avignon und Fehmi Baumbach am Sonnabend im Haus Schwarzenberg. Es ist die zwölfte Party in einer Reihe, die vor sieben Jahren in Berlin begonnen hat. Zuerst im Roten Salon, dann in der Maria und jetzt im Haus Schwarzenberg. Ein Abend mit vielen Künstlern, viel Musik und einer Party. Die Idee ist die Mischung und ein Programm, das alle zwanzig Minuten wechselt.

Die Party zur Krise. Wer nie viel hatte, hat nicht viel zu verlieren. Und wer frei arbeitet, lebt sowieso ungesichert. So wie Jim Avignon. Der Maler, Musiker, Illustrator und Pop-Art-Künstler, der sich seinen Namen einst in der französischen Stadt Avignon als Straßenmaler gab, ist vor allem dafür bekannt, dass er schnell produziert und billig verkauft. „Cheap-Art“ nennt man seine Kunst. Seine Sammler haben noch nie viel an ihm verdient.

Vor drei Jahren ging Jim Avignon nach New York und kommt seitdem nur noch jedes halbe Jahr zurück nach Berlin. „Ich hatte ziemlich Probleme mit der Stadt, als ich ging“, sagt Jim Avignon am Telefon. Damals, als die Popkomm und die großen Labels nach Berlin zogen und die Räume der Subkultur zu verschwinden drohten. Inzwischen habe er seinen Frieden mit der Stadt gemacht. Vielleicht auch, weil man mit Blick über den Atlantik anderes zu schätzen weiß. Die Langsamkeit zum Beispiel. In New York sei das Leben anstrengender, selbst wenn man in Brooklyn lebt.

Sorgen sind seit der Finanzkrise sehr präsent

Die Party sei damals als eine Art „kritischer Kommentar“ entstanden, als die Industrie anfing, mit der Subkultur zusammenarbeiten zu wollen. Geht das, wollen wir das, wo soll das hinführen?, fragten sich Avignon und seine Kollegen. Und die Antwort stand gleich auf der Einladungskarte: „Capitalism is never friendly.“ Der Satz war gut.

Jetzt ist er auch noch aktuell. Besonders in New York sei die Sorge seit der Finanzkrise gerade sehr präsent, sagt Jim Avignon. Nicht zuletzt bei der Obama-Wahl habe man gemerkt, was für eine Sehnsucht nach Veränderung da sei. Der Wunsch, dass endlich etwas geschieht. Und die Hoffnung, dass der Moment jetzt gekommen ist.

Auch diese Party wird ein wilder Mix aus bildenden Künstlern, Musikern und DJs. Zu sehen sind die Comiczeichnungen von Jule K. und Tuschebilder von Elisabeth Moch. In der Lounge kann man die Videos von Cherie, die eine Hälfte der Band Warren Suicide, sehen. Eleanor Marston, Illustratorin, hat gerade ihren ersten Bilderband über einen Vielfraß in Italien veröffentlicht. Die Gebrüder Metz stellen ihr Pyolfon vor. Und nicht zuletzt Kunst von Jim Avignon selbst. Musik dazu spielen unter anderem die spanische Band Single und Heimat Konnektiv aus Kopenhagen und die Elektrofrickler von Namosh.

Entstanden ist die Mischung vor allem durch Myspace. Alle Künstler wurden von Jim Avignon im Netz entdeckt. Am Sonnabend sehen sie sich zum ersten Mal. „Die Idee war immer, dass sich hier Künstler treffen, die sich sonst nie über den Weg gelaufen wären“, sagt er. Und am Ende teilen sich alle die Eintrittsgelder. So fördern Promis die weniger Bekannten.

Nach dem Wochenende geht es für Jim Avignon weiter nach Tokio. Mit einem Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes tourt er durch Japan. Dort kenne ihn keiner, er sei gespannt, was auf ihn zukomme. Viel Zeit für die Vorbereitung hat er nicht. Macht nichts. Er habe sich noch nie so dermaßen weit weg vom Kunstmarkt gefühlt wie jetzt, sagt Jim Avignon.

Friendly Capitalism Lounge, Sonnabend, 21 Uhr, Haus Schwarzenberg, Rosenthalerstr. 39, Mitte. Eintritt 5 Euro. Die Ausstellung ist bis zum 6. Dezember geöffnet.

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