Armin Mueller-Stahl : "Dan Brown habe ich nicht gelesen“

Am Mittwoch kam "Illuminati“ in die Kinos. Ein Gespräch mit Armin Mueller-Stahl über den Film, Religion – und seine Rolle als Kardinal.

Interview von Andreas Conrad
Mueller-Stahl
Armin Mueller-Stahl in "Illuminati". -Foto: dpa

Nach dem Riesenerfolg des Religionsthrillers „The Da Vinci Code – Sakrileg“ von Dan Brown und der Verfilmung von Ron Howard startete am gestrigen Mittwoch „Illuminati“ in den Kinos, Howards Filmadaption des gleichnamigen BrownRomans, erneut mit Tom Hanks in der Hauptrolle als Harvard-Professor Robert Langdon. Armin Mueller-Stahl spielt darin einen Kardinal namens Strauss, den Zeremonienmeister der Papstwahl.

Ihre jüngsten Rollen – in „Buddenbrooks“, „The International“, „Illuminati“ – sind sehr unterschiedlich. Sehen Sie dennoch einen gemeinsamen Nenner?

Eigentlich nicht – außer dass es eine handwerkliche Arbeit ist, unterschiedliche Rollen mit wenigem Aufwand darzustellen und glaubwürdig zu sein. Das ist das Handwerkszeug des Schauspielers.

Thriller haben als Buch oder Film ständig Hochkonjunktur. Was an „Illuminati“ und zuvor an „The Da Vinci Code – Sakrileg“ überrascht, ist der religiöse Hintergrund, der sich lange nach Ecos „Name der Rose“ wieder durchsetzt als Thrillerstoff.


Die Religion ist ein bisschen Ideologieersatz. Der Kommunismus wollte eine gerechtere Welt und ist gescheitert. Und nachdem die Leute nichts mehr hatten, haben sie wieder zur Religion gegriffen – als Lebensgeländer, an dem sie sich festhalten können. Aber Sie wissen, wie viele Streitereien gerade durch Religionen auf der Welt sind. Was für die verschiedenen Götter rumgeballert wird, ist gewaltig. Für viele ist Religion ein Kraftpotenzial, für viele ein Trost – aber für viele auch ein Grund, gegen andere Religionen Krieg zu führen. Dass ein Autor, der immer auf der Suche nach etwas ist, wo der Thriller am besten funktioniert, plötzlich in der Religion fündig wird, verstehe ich.

Wie sind Sie zum Projekt gekommen? Man würde in Ihnen eher einen Leser Thomas Manns als Dan Browns vermuten.

Ach, ich lese hin und wieder gerne einen Krimi. Wenn er gut gebaut ist, erzählt er einem viel. Dan Brown habe ich bislang aber nicht gelesen, nur das Drehbuch. Wenn ich so einen Film gemacht habe, dann weiß ich, das ist ein sehr teures Projekt, das muss Knete machen. Was meinen eigenen Geschmack betrifft: Da haben Sie recht, Thomas Mann ist mir vielleicht näher, aber doch nicht so nahe. Natürlich interessieren mich menschliche Konflikte mehr als ein Film, wo es da explodiert, dort knattert und hier ein Hubschrauber runtergeht. Aber ich muss dann meinen Geschmack weglassen – und ich kann sagen: „Illuminati“ ist ein gut gemachter Thriller, spannend – ein Film, der sein Publikum erreichen wird. Ich kann mir denken, dass er auch viele Gegner haben wird. Die deutsche Kritik ist gerne bereit, darauf einzuhämmern, wenn sich etwa der Film vom Buch löst – was nebenbei gesagt sein gutes Recht ist. Der Film muss seine eigene Sprache finden. Romane sind sowieso schwer zu verfilmen. Sie haben 1000 Seiten, der Film dauert zwei Stunden. Kurzgeschichten sind gut zu verfilmen, wenn man noch etwas dazutun kann.Deswegen ist „Tod in Venedig“ nach wie vor ein Kultfilm.

In Dan Browns Roman gibt es Ihre Rolle des Kardinals Strauss nicht.

Im Roman ist das der Kardinal Mortati. Das wurde für mich umgeschrieben. Der Kardinal heißt jetzt Strauss, damit mein Akzent erklärt wird. Ich bin sozusagen der Ratzinger, bevor er Papst wurde, im Absprung, Papst zu werden, aber er will es gar nicht. Er ist genau darunter, der Strippenzieher.

Haben Sie sich auf die Rolle besonders vorbereitet? Es war ja nicht das erste Mal, dass Sie einen Kirchenmann gespielt haben.

Mir ist das ganz vertraut. Mein Großvater war evangelischer Pfarrer. Nicht dass ich nun unbedingt gleich gläubig geworden bin. Ich habe da doch, wie sagt man, meine Zweifel. Ich glaube, der liebe Gott hat uns auf kluge Weise sehr dumm gelassen, dass wir ihn nicht erkennen, und mein Kopf gibt mir keine Antworten auf diese ganzen Fragen. Aber die Kirche, die ist mir schon vertraut, und wenn ich jetzt nachzählte, würde ich auf diesen oder jenen Heiligen stoßen, den ich gespielt habe. Natürlich hatten wir einen Berater da, der selbst Bischof oder Kardinal war. Der hat erklärt, was zu tun ist und wie.

Die Fragen stellte Andreas Conrad

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